Hausärzte wollen sich selber kümmern

Ein Bundesland mit großen Lücken bei der Hausarztversorgung? Damit dieses Horrorszenario nicht eintritt, nehmen die Hausärzte in Sachsen-Anhalt jetzt die Zukunft ihres Nachwuchses selbst in die Hand.

Von Petra Zieler Veröffentlicht:
Halberstadt aus der Luft: Wo sind die Hausärzte?

Halberstadt aus der Luft: Wo sind die Hausärzte?

© Steffen Schellhorn / imago

MAGDEBURG. Frei nach dem Motto: "Wir müssen uns selber um uns kümmern", engagieren sich immer mehr Hausärzte in Sachsen-Anhalt für die Weiterbildung ihres Nachwuchses.

Drei Allgemeinmediziner aus Halberstadt, Oschersleben und Quedlinburg haben unlängst den achten Weiterbildungsverbund des Landes gegründet. In Zusammenschlüssen dieser Art unterstützen 56 Hausärzte sowie Vertreter aus elf Krankenhäusern des Landes die Qualifizierung ihrer künftigen Kollegen.

Bereits im September vergangenen Jahres haben die Koordinierungsstelle zur Weiterbildung in der Allgemeinmedizin (KOSTA) bei der Ärztekammer sowie die Landes-KV vereinbart, die Bildung regionaler Weiterbildungsverbünde zu forcieren.

"Das ist ein guter Weg, denn wir wissen sehr wohl, was passiert, wenn wir nichts tun", sagt Stefan Andrusch, Hausarzt in Halberstadt. In Sachsen-Anhalt fehlen bereits heute 400 Allgemeinmediziner, in fünf Jahren könnten es 650 sein.

Gegenwärtig werden nur zwei von drei frei werdenden Hausarztsitzen besetzt. "Es ist also auch in unserem Interesse, dass unsere künftigen Kollegen kompetente Partner in der Praxis finden und dass ihre Weiterbildung attraktiver wird und reibungslos ohne Zeitverlust durchlaufen werden kann."

Praxisluft schon im Studium schnuppern

Jeder Assistent bekommt im Vorfeld einen individuellen, verbindlichen Ausbildungsplan über die gesamten fünf Jahre an die Hand. Voraussetzung dafür sei auch eine gute Kooperation mit den Krankenhäusern.

Andrusch und seine Kollegen wollen aber nicht nur in ihren eigenen Praxen ausbilden, sie überlegen zugleich, wie sie bei Medizinstudenten schon möglichst früh das Interesse an der Allgemeinmedizin wecken können.

"Auf alle Fälle werden wir ihnen ab diesem Jahr während unserer Hausärztetage gezielte Veranstaltungen anbieten."

Eine gute Möglichkeit, Nachwuchs für den Beruf zu begeistern, seien zudem die Blockpraktika im vierten Studienjahr.

Bis zu fünf Studenten pro Jahr können in dieser Zeit bei Hausärztin Dr. Evelyn Fabiensky, die dem Weiterbildungsverbund in Magdeburg angehört, Praxisluft schnuppern: "Obwohl es bei uns auch Zensuren gibt, sind die meisten mit Spaß bei der Sache. Viele können sich danach vorstellen, in die Allgemeinmedizin zu gehen."

Die Hausärztin unterstützt auch das neue Angebot "Berufsfelderkundung" des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Magdeburg, das über jeweils vier Semester läuft.

In dieser Zeit bekommen Studenten in Hausarztpraxen die Möglichkeit, den Gesundheitszustand jeweils eines Patienten näher kennen-, verstehen und bewerten zu lernen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Bewegung, geeignete Ernährung, Stressabbau

Wie wichtig bei Parkinson ein gesunder Lebensstil ist

Lesetipps
Ein Arzt füllt einen internationalen Impfpass aus.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Herzinfarkt-Prävention

Diabetes: Grippeimpfung schützt das Herz!

Maske

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?