Ärzte Zeitung, 23.08.2012

Pädiater

Wir sind keine Vorsorge-Sheriffs

KÖLN (iss). Die Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein lehnen die Pläne von CDU und CSU zum Betreuungsgeld ab. Die Ärzte halten das ganze Konzept für wenig sinnvoll. Vor allem wollen sie sich aber nicht zu "Sheriffs" machen lassen.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hatte im Interview mit der "Rheinischen Post" die Forderung von Familienministerin Kristina Schröder unterstützt, Eltern nur dann Betreuungsgeld auszuzahlen, wenn die Kinder an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen.

Die Kinder- und Jugendärzte wollten keine Erziehungsüberwachung im staatlichen Auftrag, sagt Dr. Thomas Fischbach, Vorsitzender des nordrheinischen Berufsverbands. "Wir lehnen es ab, Teil eines Meldesystems im Rahmen des Betreuungsgeldes zu werden, das wir ohnehin kritisch sehen."

Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die frühe Förderung in gut ausgestatteten Kitas die soziale und intellektuelle Entwicklung von Kindern fördere, sagt er. Davon profitierten gerade Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien.

"Daher lehnen wir das Betreuungsgeld in der geplanten Form ab".Stattdesssen fordere der Verband den Ausbau des gesamten Frühfördersystems, sagte Fischbach.

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[27.08.2012, 00:05:14]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
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Hermann Gröhe und Familienministerin Kristina Schröder ins Poesie-Album:
Pädiatrie-Vertragsärzte/-innen sind n i c h t für die Auszahlung des Betreuungsgeldes mittels "Vorsorge-Vollzugsmeldungen" verantwortlich.

Was soll denn sonst noch neben unserer medizinischen Kernkompetenz geleistet werden? Wir haben nicht mal flächendeckend genügend Pädiater, um umfassende Vorsorgeleistungen abzubilden. Zu wenig Haus- und Familienärzte im ländlichen Raum, in prekären Ballungszentren und sozialen Brennpunkten. Und wenn wir alle uns bei einem lächerlichen Regelleistungsvolumen bemühen, auf Migrationshintergrund, Ernährungsverhalten, Kindesmisshandlung, -missbrauch, psychosoziale Deprivation, Lese- und Lernschwäche, Entwicklungs- und Kompetenzstörungen bzw. emotionale Vernachlässigungstendenzen, Sucht- und Abhängigkeitspotentiale zu achten - ausgebildet sind wir eigentlich für Anamnese, Untersuchung, Beratung, Prävention, Differentialdiagnostik und Therapie zur Heilung bzw. Linderung von Krankheiten und Gesundheitsstörungen. Das ist das, was familienorientierte Humanmediziner als Hauptaufgabe erledigen. Dazu noch Schreibkram, Bürokratie, Verwaltung, Dokumentation, Abrechnung, Qualitätssicherung und die Betriebswirtschaft in der vertragsärztlichen Selbstständigkeit. Ärztinnen und Ärzte sind n i c h t zusätzlich für ein verkorkstes Kinderbetreuungsgeld-Gesetz und eine staatliche Pseudo-Familienpolitik zuständig.

Gröhe und Schröder kommen mir wie ein ungleiches Paar vor, das bei falsch angebrachten Zebrastreifen auf der Straße einen Tierarzt zu Hilfe holen wollte.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM, ganz entspannt am Gardasee.
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