Ärzte Zeitung, 14.03.2013

Baden-Württemberg

Auslands-Ärzte rasch polyglott

Jeder zehnte Klinikarzt in Baden-Württemberg kommt aus dem Ausland. Besonders auf dem Land sind die zugereisten Mediziner gefragt. Vorausgesetzt werden gute Deutschkenntnisse.

Von Marion Lisson

Auslands-Ärzte rasch polyglott

Laut der Ärztekammer kommen die meisten ausländischen Ärzte, die in Baden-Württemberg arbeiten, aus Rumänien.

© Andres Rodriguez / fotolia.com

HEIDELBERG. "Ländlich gelegene Häuser sind für deutsche Ärzte und Ärztinnen weniger attraktiv, weil sie überwiegend die Infrastruktur der Ballungsräume und größere Krankenhäuser bevorzugen."

Mit diesen Worten reagierte Baden-Württembergs Sozialministerin Karin Altpeter (SPD) auf eine Anfrage von Dr. Marianne Engeser.

Die CDU-Landtagsabgeordnete aus Pforzheim warnt vor zunehmenden Sprachproblemen zwischen Ärzten und Patienten und verweist in ihrer Anfrage auf das Risiko von Diagnose- und Behandlungsfehlern.

Diese Sorgen werden im Ministerium nicht geteilt. "Allgemein ist (…) darauf hinzuweisen, dass die Erteilung der Approbation ausreichende Sprachkenntnisse voraussetzt", macht Altpeter deutlich.

Nach Angaben der Ärztekammer Baden-Württemberg übten Ende 2011 knapp 2600 Mediziner mit ausländischer Staatsbürgerschaft im Südwesten ihren Beruf aus. Das sind fast sechs Prozent aller im Land tätigen Ärzte.

Knapp 80 Prozent der Ausländer waren in einer Klinik beschäftigt. Fast jeder zehnte Krankenhausarzt kommt somit aus dem Ausland. Im Bund liegt dieser Anteil bei 11,4 Prozent.

Die stärkste Gruppe unter den Ausländern sind laut Ärztekammer die Rumänen. 270 Ärzte, davon 236 Krankenhausmediziner, stammen aus dem früheren Ostblock- und jetzigen EU-Land.

Mit knapp 260 im Lande - davon gut 200 in Kliniken - tätigen Ärzten stellten die Österreicher die zweitgrößte Gruppe. Griechen waren mit beachtlichem Zuzug die drittgrößte Gruppe.

Bisher keine Haftungsfälle

In manchen Häusern in Ost und West liege der Anteil an Ärzten mit ausländischer Staatsangehörigkeit sogar bei über 50 Prozent, berichtet Josef Düllings, der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren in Berlin.

Die Fachkenntnisse der Mediziner seien meist gut - die Kliniken stellten die Ärzte aber oft bereits ein, wenn sie noch nicht ausreichende Sprachkenntnisse hätten, so Düllings Bedenken.

In Baden-Württemberg seien der Krankenhausgesellschaft keine Vorfälle bekannt, wonach es aufgrund von Sprachproblemen zu konkreten Haftungsfällen gekommen sei, teilt das Sozialministerium in seiner Antwort (Drucksache 15/2730) mit.

Es verweist auf die Vorgaben des Regierungspräsidiums Stuttgart. Das Landesprüfungsamt für Medizin und Pharmazie fordert von ausländischen Bewerbern, die in Deutschland praktizieren wollen, dass sie ihre Sprachkenntnisse entweder durch eine persönliche Vorsprache beim Landesprüfungsamt nachweisen oder an dem Sprachtest "Patientenkommunikation" teilnehmen. Dies wird auch mit Schauspielern simuliert.

Nach Angaben von Altpeter prüft die Landesregierung derzeit zudem, ob dieses Programm zur Erlangung der Approbation für alle ausländischen Ärzte verpflichtend sein solle.

Bei der Landesärztekammer begrüßt man solche Überlegungen. "Für eine sorgfältige Erhebung der Anamnese und die notwendigen Aufklärungsgespräche ist eine gute Verständigung zwischen Arzt und Patient erforderlich", machten die Kammer-Delegierten bereits im vergangenen Sommer in einer Resolution deutlich.

Sie verwiesen auf den von der Universität Freiburg angebotenen Kommunikationstest, der auch in Heidelberg, Ulm und Tübingen angeboten wird.

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