Ärzte Zeitung, 14.03.2013
 

NRW

Klinikplanung soll harte Qualitäts-Vorgaben hinzuziehen

Der NRW-Entwurf für einen neuen Krankenhausplan bleibt bei der Qualitätsorientierung zu vage, kritisiert die Kammer Nordrhein.

Von Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Die Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) fordert eine stärkere Qualitätsorientierung bei der Krankenhausplanung. Das sagte Kammer-Präsident Rudolf Henke bei der Kammerversammlung in Düsseldorf.

"Darunter verstehen wir qualitätsorientierte Strukturvorgaben, die allen Beteiligten Klarheit darüber verschaffen, welche Eigenschaften eine plankonforme Abteilung aufweisen muss, damit sie Anspruch auf Versorgungsverträge oder auch auf Berücksichtigung bei der Investitionsfinanzierung hat", erläuterte er.

Das zentrale Qualitätskriterium ist aus Sicht der Kammer die Zahl und Qualifikation der beschäftigten Ärztinnen und Ärzte. Formulierungen wie "einschlägig qualifiziert" oder "mit fundierten Kenntnissen und Erfahrungen" seien zu schwammig, sagte Henke.

Ein Arzt ohne Facharztqualifikation müsse jederzeit, auch nachts und am Wochenende, auf die Unterstützung eines erfahrenen Facharztes zurückgreifen können. "Dies ist ohne die Beschäftigung einer Mindestzahl von Ärzten mit Facharztstatus nicht zu gewährleisten."

Klinik-Rahmenplanung mit Augenmaß

Der von der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) vorgelegte Entwurf zum neuen Krankenhausplan sei in dieser Frage nicht klar und konkret genug, kritisierte Henke.

Auch für Kompetenzen wie die Gefäßchirurgie oder die Kardiologie müsse gelten, dass zumindest die Abteilungsleiter und ihre Stellvertreter über eine der Fachabteilung entsprechende Facharztanerkennung verfügen müssen.

"Wir werden daran mitarbeiten, das Konzept der qualitätsorientierten Krankenhausplanung in NRW weiterzuentwickeln, und es auch auf der Bundesebene in Beratungen der Bundesärztekammer einbringen", kündigte der ÄKNo-Präsident an.

Abgesehen vom Qualitätsaspekt fand Henke lobende Worte für die geplante Krankenhaus-Rahmenplanung. Die Richtung stimme, die Planung sei mit Augenmaß und Sachverstand erfolgt.

"Abrissbirne und Presslufthammer sind als Planungsinstrumente im Depot geblieben, aber bislang ungenutzte Bettenkapazitäten werden auch nicht künstlich konserviert", sagte er. Die eigentliche Bewährungsprobe stehe mit der konkreten Umsetzung vor Ort aber noch aus.

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