Ärzte Zeitung, 27.05.2013

KBV-VV

Köhler geißelt Buchhalter-Medizin

KBV-Chef Köhler warnt vor einer zunehmend "repressiven Sozialpolitik", in der nur noch Daten, aber nicht Menschen zählen. Auf der VV in Hannover bot er heftige Attacken auf den GKV-Spitzenverband.

Von Helmut Laschet

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KBV-Chef Köhler: "Da läuft doch etwas schief!"

© Frank-Michael Preuss

HANNOVER. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat am Montag auf der Vertreterversammlung seiner Organisation in Hannover eine "zunehmend repressive Sozialpolitik" kritisiert, die dadurch charakterisiert sei, dass in der Patientenversorgung nur noch Ergebnisse zählen, die gemessen werden können.

Ursächlich sei die wachsende Fremdbestimmung ärztlicher Arbeit durch standardisierte ökonomische Vorgaben. Tatsächlich sollten Ärzte aber ihr Handeln auf den individuellen Patienten und dessen Bedürfnisse ausrichten.

Köhler: "Mittlerweile ist es so weit, dass Ärzte bei all ihrem Tun in erster Linie gegenüber den Krankenkassen Rechenschaft ablegen müssen, statt gegenüber sich selbst und ihren Patienten. Da läuft doch etwas schief!"

Nicht ganz unschuldig seien aber auch die ärztlichen Körperschaften, die diesen Wandel von der versorgenden zur vermessenden Medizin so stark verinnerlicht hätten, dass sie dazu beitrügen, sie zu reproduzieren.

Der Kern ärztlicher Arbeit sei aber nicht messbar: "Eine Arzt-Patienten-Beziehung beruht ganz maßgeblich auf Empathie und Vertrauen, und das ist nicht messbar", sagte Köhler.

Als kontraproduktiv - nicht zuletzt mit Blick auf die abschreckende Wirkung auf die nachrückende Ärzte-Generation - wertet Köhler wiederkehrende Kampagnen des GKV-Spitzenverbandes, der das Feindbild Ärzteschaft pflege und sie unter den Generalverdacht der Bestechlichkeit stelle.

Schwieriger Weg in der gematik

Als symptomatisch wertet Köhler das Online-Formular auf der Website des GKV-Spitzenverbandes, auf dem Versicherte anonym Ärzte des Betrugs verdächtigen können. Das Vokabular der GKV sei eine "Unverschämtheit".

Es erzeuge den Eindruck, es läge bereits eine Straftat vor. Nachdrücklich sprach sich Köhler für die Regelung eines Straftatbestandes der Korruption im Gesundheitswesen im Strafgesetzbuch und nicht im SGB V aus. Normadressaten müssten alle Leistungserbringer einschließlich der Krankenkassen sein.

Ein weiteres Beispiel für das schwierige Verhältnis zwischen GKV-Spitzenverband und KBV sei die Auseinandersetzung um die Telematik-Infrastruktur. In der zuständigen gematik hat die KBV versucht, dass der quartalsweise Online-Angleich von Versichertenstammdaten durch die Praxen nur eine freiwillige Zusatzleistung von Ärzten sein kann.

Dazu hat die KBV vorgeschlagen, dass die Einzelkassen in E-Kiosken Möglichkeiten zur Aktualisierung anbieten. Obgleich dies von etlichen Kassen bereits realisiert sei, habe der GKV-Spitzenverband eine solche Lösung in der gematik abgelehnt.

Dem Anschluss der Arztpraxen an die Telematik-Infrastruktur werde die KBV nur zustimmen, wenn die Pflicht zur Übernahme von Verwaltungsaufgaben der Kassen in den Praxen entfalle und wenn es einen akzeptablen Weg gebe, die Mehrwerte im Sicheren Netz der KVen auch in der Telematik-Infrastruktur für die Ärzte nutzbar zu machen.

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