Ärzte Zeitung, 09.04.2014

Kommentar zur Präsenzzeit

40 Stunden? Zeit statt Geld!

Von Robert Büssow

Auch Ärzte haben ein Recht auf Freizeit und Familie. Klingt banal, ist es aber nicht. Die Realität bei vielen Praxischefs sieht angesichts voller Wartezimmer, Hausbesuchen und Notdiensten anders aus.

Da ist die 40-Stundenwoche eines Angestellten ein ferner Wunschtraum. In der jungen Ärztegeneration findet jedoch ein Wertewandel statt, der die calvinistische Arbeitsmoral untergräbt.

Einkommen und Statussymbole verlieren an Bedeutung und fallen zurück hinter dem Wunsch auf Selbstverwirklichung auch jenseits der Arbeit. Im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit scheint das Bedürfnis nach festen Arbeitszeiten und der Berechenbarkeit von Einkommen die Oberhand zu gewinnen.

Dafür spricht der Trend in Thüringen: Jeder zweite Vertragsarzt wählt dort inzwischen ein Anstellungsverhältnis. Geht das so weiter, müssen viele Landarztpraxen dichtmachen, übrig bleiben MVZ und Krankenhäuser. Die KV hat erkannt: Die Arbeitszeiten und -bedingungen sind der Knackpunkt.

Deshalb ist der Vorstoß für die Präsenzzeit von 40 Stunden eine sinnvolle, eine existenzielle Idee. Auch wenn damit die Versorgung schwieriger wird, weil Ärzte weniger arbeiten, dürfte dies der einzige Weg sein, die Freiberuflichkeit als Modell zu retten.

Lesen Sie dazu auch:
"Willkommen, Generation Y": KV Thüringen hält die Uhr an

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Grippe-Impfsaison noch lange nicht vorbei!

Kein Land Europas erreicht die Influenza-Impfziele der WHO. Jetzt vor der Grippewelle appellieren Experten daher an Ärzte, noch möglichst viele Patienten zu schützen. mehr »

Wenn Insulin zum fetten Problem wird

Schon leicht erhöhte Insulinspiegel können offenbar Adipositas sehr stark fördern. Forscher haben sich den Zusammenhang angeschaut und empfehlen Intervallfasten – mit einer Einschränkung. mehr »

Musiktherapie tut Krebskranken gut – zumindest kurzfristig

Ein Bericht für das IQWiG bescheinigt der Musiktherapie kurzfristigen Nutzen im Vergleich zur Routineversorgung bei Angst, Depression und Stress. Zur Bewertung von Langfrist-Effekten fehlen aber Daten. mehr »