Kommentar zur Präsenzzeit

40 Stunden? Zeit statt Geld!

Von Robert Büssow Veröffentlicht:

Auch Ärzte haben ein Recht auf Freizeit und Familie. Klingt banal, ist es aber nicht. Die Realität bei vielen Praxischefs sieht angesichts voller Wartezimmer, Hausbesuchen und Notdiensten anders aus.

Da ist die 40-Stundenwoche eines Angestellten ein ferner Wunschtraum. In der jungen Ärztegeneration findet jedoch ein Wertewandel statt, der die calvinistische Arbeitsmoral untergräbt.

Einkommen und Statussymbole verlieren an Bedeutung und fallen zurück hinter dem Wunsch auf Selbstverwirklichung auch jenseits der Arbeit. Im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit scheint das Bedürfnis nach festen Arbeitszeiten und der Berechenbarkeit von Einkommen die Oberhand zu gewinnen.

Dafür spricht der Trend in Thüringen: Jeder zweite Vertragsarzt wählt dort inzwischen ein Anstellungsverhältnis. Geht das so weiter, müssen viele Landarztpraxen dichtmachen, übrig bleiben MVZ und Krankenhäuser. Die KV hat erkannt: Die Arbeitszeiten und -bedingungen sind der Knackpunkt.

Deshalb ist der Vorstoß für die Präsenzzeit von 40 Stunden eine sinnvolle, eine existenzielle Idee. Auch wenn damit die Versorgung schwieriger wird, weil Ärzte weniger arbeiten, dürfte dies der einzige Weg sein, die Freiberuflichkeit als Modell zu retten.

Lesen Sie dazu auch: "Willkommen, Generation Y": KV Thüringen hält die Uhr an

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