Ärzte Zeitung, 27.05.2014

Ärztetag

Gröhe kündigt Masterplan "Medizinstudium 2020" an

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will an seinen umstrittenen Reformen festhalten, aber auch auf die Ärzte setzen. Da hat der CDU-Politiker zum Auftakt des 117. Deutschen Ärztetags betont.

DÜSSELDORF. Von ausgeprägtem Willen zur Kooperation zwischen Gesundheitspolitikern der Koalition und der Ärzteschaft war die Eröffnung des 117. Deutschen Ärztetages am Dienstag in Düsseldorf charakterisiert.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kündigte dabei eine Ergänzung des Versorgungsstrukturgesetzes an: Damit sollen die Bedingungen für Einzelpraxen attraktiver werden, Kooperationen in Netzen oder Medizinischen Versorgungszentren sollen weiter gestärkt werden. Die Förderung der Weiterbildung soll auf eine sichere gesetzliche Grundlage gestellt werden.

Mittelfristig soll ein Masterplan "Medizinstudium 2020" entwickelt werden, mit dem vor allem die Allgemeinmedizin gestärkt werden soll. Ziel ist die Etablierung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an allen Medizin-Fakultäten.

Termin-Servicestellen sollen kommen

Der Tag zum Nachhören

Gröhe rief die Ärzte dazu auf, die Möglichkeiten der Medizintechnik aktiv selbst mitzugestalten. Die technische Entwicklung sei nicht aufzuhalten. "Ich unterstütze Sie bei der Einbringung ärztlicher Expertise".

Festhalten will der Minister an umstrittenen Projekten: Das gilt sowohl für das geplante Qualitätsinstitut beim GBA als auch für die Einrichtung von Termin-Servicestellen bei den KVen. Mit letzterem werde der Sicherstellungsauftrag der KVen konkretisiert.

Wenn allerdings konkrete Verbesserungen durch von Ärzten in der Region selbst organisiertem Termin-Management erzielt würden, dann hätten KV-Servicestellen nur wenig Arbeit.

"Ein Orchester ohne Musiker"

Gemeinsam äußerten Gröhe und der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Frank Ulrich Montgomery, die Erwartung, dass es Fortschritte bei der GOÄ-Reform geben wird und sie noch in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden könnte.

Montgomery plädierte für eine konsequente Nutzung ärztlicher Kompetenz bei neuen Aufgaben, insbesondere in der Qualitätspolitik. Ein Qualitätsinstitut als Behörde des Bundesausschusses sei nicht akzeptabel. Der GBA könne dies verwalten, maßgeblich müsse aber der Einfluss ärztlichen Sachverstandes sein.

"Alles andere wäre wie ein Orchester ohne Musiker", sagte Montgomery. Erneut kritisierte er die Versäumnisse der Bundesländer bei der Finanzierung von Krankenhausinvestitionen, worauf Gröhe allerdings nicht reagierte. (HL)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[27.05.2014, 17:41:04]
Dr. Ralf Schrader 
Ein Orchester ohne Musiker
Die innere Gestaltung des Gesundheitswesens ist keine Aufgabe von Gesundheitspolitik, dass können Pflegende und Ärzte gut allein bewerkstelligen. Politik ist nur für die Gestaltung der Rahmenbedingungen zuständig.
Der Qualitätsbegriff gehört nicht zu den Rahmenbedingungen, der muss erst einmal intern definiert werden. Das steht noch völlig aus. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Epileptiker haben hohe Überdosisgefahr

Die Gefahr, an einer Medikamentenüberdosis zu sterben, ist bei Epilepsiekranken fünffach erhöht, so eine Studie. Doch es ist anders, als auf den ersten Blick gedacht: Schuld sind meist nicht die Antikonvulsiva. mehr »

Zehntausende Arztpraxen nicht ohne Barrieren zu erreichen

Nur ein Drittel der Arztpraxen in Deutschland gelten – auch nur zum Teil – als barrierefrei. Das schränke die freie Arztwahl körperlich beeinträchtigter Menschen ein, moniert die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann. mehr »

Nichtstun ist gefährlich für Patientendaten

Nur noch wenige Tage, dann tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Grund genug auch für Ärzte, sich die Prozesse der Datenverarbeitung anzuschauen und auf Sicherheit abzuklopfen. mehr »