Ärzte Zeitung, 27.05.2015

Sachsen-Anhalt

Facharzttermine nicht auf Anordnung

Sachsen-Anhalts Kammerchefin kritisiert Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene.

TANGERMÜNDE. Vor einer Aushöhlung ärztlicher Freiberuflichkeit warnt Sachsen-Anhalts Kammerpräsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz angesichts des geplanten Versorgungsstärkungsgesetzes.

In der jüngsten Kammerversammlung kritisierte sie vor allem die Pläne für Terminservicestellen, Zwangsaufkauf von Praxissitzen und Zweitmeinungsregelungen.

Dass es nach der dreistündigen Anhörung im Bundestag lediglich zu marginalen Änderungen kommen dürfte, führte sie auch auf regierungsgenehme Experten zurück, die als Sachverständige die Fragen von Abgeordneten vorformuliert hätten. "Damit geraten solche Veranstaltungen zur Farce", sagte Heinemann-Meerz.

Es sei offensichtlich, dass man sich nicht ernsthaft mit den Sorgen der Ärzte beschäftigen wolle. Auch der Vorschlag der CDU/CSU-Fraktion, Heilmittelerbringer direkt in die Versorgung einzubinden, stößt in Sachsen-Anhalt auf wenig Zustimmung.

Zwar sei es wünschenswert, Physiotherapeuten weitestgehend Entscheidungsfreiheit bei der Wahl der für die Genesung günstigsten Therapie zu überlassen, doch "ein Direktzugang ohne Zwischenschaltung des Arztes ist von uns nicht gewollt". Zumindest, solange Ausbildungsstandards und Qualifikationen nicht entsprechend definiert worden sind.

Nicht "per ordre de mufti"

Kritische Worte richtete die Kammerpräsidentin aber nicht nur Richtung Berlin, auch jüngste Vereinbarungen auf Landesebene verfehlten ihrer Meinung nach das gemeinsame Ziel für eine gute flächendeckende medizinische Versorgung.

"Es erschließt sich mir nicht - und da bin ich in guter Gesellschaft - warum ein Vertrag der größten Krankenkasse mit dem Hausärzteverband und der KV die Fachärzte drängen möchte, zusätzliche Termine zur Verfügung zu stellen. So, wie dieser Vertrag angelegt ist, wird er sich totlaufen und trägt jetzt nur zur Verärgerung fachärztlicher Kollegen bei."

Damit spielt sie auf einen gemeinsamen Vertrag an, auf dessen Basis Hausärzte bei Dringlichkeit kurzfristige Termine bei Fachärzten vereinbaren können.

Wenn bereits heute Haus- und Fachärzte in der Augenheilkunde, Neurologie, Orthopädie und Kardiologie fehlten, bringe es nichts, Termine "per ordre de mufti" reglementieren zu wollen.

Mit Unverständnis reagiert Heinemann-Meerz auf die geplante Finanzierung zweier Studienplätze an der Uni Witten-Herdecke für künftige Hausärzte in Sachsen-Anhalt. Es sei nicht nachvollziehbar, so die Kammerpräsidentin, weshalb keine Lösung auf Landesebene gefunden werden konnte. (zie)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Glücklich und zufrieden mit dem Job

Ärzte arbeiten gerne in ihrem Beruf und würden ihn wieder ergreifen. Der Ärztemonitor zeigt auch: So viele Ärzte wie nie zuvor sind zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation. mehr »

So alt sind die Ärzte in Deutschland

Fast jeder dritte niedergelassene Arzt in Deutschland ist jenseits der 60. Wir zeigen in Grafiken, wie alt die Ärzte in den einzelnen Fachbereichen sind. mehr »

Wer wird Galenus-Preisträger 2018?

Heute Abend ist es soweit: Im Rahmen einer feierlichen Gala werden wieder innovative Arzneimittel und hervorragende Grundlagenforscher mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet. 13 Innovationen sind im Rennen. mehr »