Ärzte Zeitung online, 03.12.2015

Qualitätskongress

Klinikreform ein "Meilenstein"

Der Nationale Qualitätskongress bejubelt das Krankenhausstrukturgesetz. Schon im April 2016 soll der Einstieg in die neue Qualitätsorientierung erfolgen.

BERLIN. Für Geduld bei der Umsetzung der Klinikreform hat Annette Widmann-Mauz (CDU) geworben. Die Qualitätsinitiative werde nicht sofort spürbar, sagte die Parlamentarische Gesundheitsstaatssekretärin zur Eröffnung des 9. Nationalen Qualitätskongresses am Donnerstag in Berlin.

"Um so entscheidender ist es aus politischer Sicht, dass wir jetzt in den Prozess hin zu dieser qualitätsorientierten Krankenhausplanung auch mit ersten Festlegungen einsteigen", sagte Widmann-Mauz.

Mit der Errichtung des Instituts für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) hat der Prozess bereits begonnen.

Bis Ende April 2016 wolle er erste für die Krankenhausplanung relevante Qualitätsindikatoren vorlegen, kündigte dessen Leiter Dr. Christof Veit an. Nach der Beratung und einem Beschluss des GBA sehe der Zeitplan vor, den Einsatz dieser Indikatoren bereits 2017 "in die Routine gehen zu lassen".

Ulf Fink: "Reform ist Meilenstein"

Als "Meilenstein in der Qualitätsausrichtung" hatte zuvor Kongresspräsident Ulf Fink, ehemaliger Gesundheitssenator von Berlin, die aktuelle Gesetzgebung zur Krankenhausreform bezeichnet.

Der Krankenhausreform die Kriterien "qualitativ hochwertig" und "patientengerecht" voranzustellen sei nicht Kunst um der Kunst Willen.

Wie die Ergebnisorientierung unter Einbeziehung des Patienten aussehen könnte, zeigte Professor Michael Schäfer auf. So könne zum Beispiel ein Qualitätsindikator Schmerz eingeführt werden. In der Schmerzversorgung der Patienten gebe es große Unterschiede.

Für die Einführung patientenbezogener Qualitätsindikatoren plädierte auch Professor Matthias Schrappe, Lehrbeauftragter Patientensicherheit und Risikomanagement an der Universität Köln.

Die Qualitätsorientierung dürfe nicht ausschließlich auf das bisherige Instrumentarium setzen. Wichtig sei auch, regionale Qualitätsaspekte mit einzubeziehen.

Litsch fordert offene Diskussion

Eine offene Diskussion mahnte der designierte Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes an. "Wir wissen nicht so genau, was Qualität eigentlich ist", sagte Martin Litsch. Sicher sei, dass die beste Qualität nicht identisch mit dem Einsatz der meisten Medizin sei.

Die Vorsitzende des Verbands der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, warnte vor einem regionalen Auseinanderdriften der Versorgungsqualität. Das Gesetz sei nicht ausreichend verbindlich, um die Länder an jeder Stelle gleichermaßen in die Pflicht zu nehmen. (af)

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