Ärzte Zeitung, 02.01.2017
 

Drogenersatztherapie

Lücken in Sicht

In Norden drohen Lücken bei der Substitutionstherapie. Jetzt suchen die beteiligten Ärzte das Gespräch mit anderen Professionen.

Von Dirk Schnack

KIEL. Vor Versorgungslücken haben substituierende Ärzte und Apotheker bei der Substitutionstherapie im Norden gewarnt. Vor allem das hohe Durchschnittsalter der Ärzte bereitet Probleme. Nun setzen sie auf regelmäßige interprofessionelle Treffen.

"Ich habe den Schritt nie bereut", sagt der ärztliche Leiter des Kieler Suchthilfezentrums, Hans-Georg Hoffmann, über seine Entscheidung für eine Tätigkeit in der Substitutionstherapie. Hoffmann verweist auf veränderte Anforderungen in der Versorgung – so ist das Durchschnittsalter der Patienten deutlich gestiegen.

Auch konzentriert sich die Behandlung zunehmend auf die Landeshauptstadt: Ein Großteil der insgesamt 3198 Substitutionspatienten in Schleswig-Holstein wird in Kiel behandelt, sodass die Zahl der Patienten für Ärzte und Apotheker dort relativ hoch, für ihre Kollegen in der Fläche dagegen meist sehr gering ist.

Auch Hoffmanns Kollege Dr. Jochen Brack aus der Ambulanz Süderelberaum Hamburg arbeitet gerne in diesem Bereich und wünscht sich mehr jüngere Kollegen. Beeinflussen könnten dies nach Meinung der beiden Ärzte Gesundheitspolitiker mit attraktiveren Rahmenbedingungen, die sie auf einer Veranstaltung in Kiel skizzierten.

Brack sprach von massiven Eingriffen in die Behandlungs- und Therapiefreiheit des Arztes. Er sieht auch "bürokratische Hindernisse wie bei keinem anderen Erkrankungsbild".

Widersprechende Richtlinien

Als Beispiele nannte er sich zum Teil widersprechende Anforderungen in Richtlinien und Vorschriften von Qualitätskommissionen, aber auch Regressandrohungen bei der Verordnung. "Dies führt zu einem Rückzug der Ärzte aus der Behandlung von Drogenkranken", so Brack.

Engpässe in der Versorgung sieht er in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Als Beispiel führte er einen Patienten in seinem Hamburger Zentrum an, der aus Braunschweig kommt.

Neben Bürokratieabbau wünschen sich die Ärzte, "realistische Therapieziele", statt am Abstinenzparadigma festzuhalten, eine bessere ambulante Versorgung im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie sowie eine schnelle Reform der Betäubungsmittel-Verschreibungs-Verordnung.

Als Vorbild für eine bessere Vergütung nannte Dr. Thomas Friedrich, Geschäftsführer der Apothekerverbände in Schleswig-Holstein und Hamburg, ein Modell aus Baden-Württemberg.

Außer Ärzten und Apothekern waren bei der von der Industrie organisierten Veranstaltung in Kiel auch Vertreter von Krankenkassen, aus Politik und Ministerien dabei. Positiv wurde im Teilnehmerkreis die Anregung Friedrichs auf regelmäßige Treffen mit Beteiligten aus unterschiedlichen Bereichen aufgenommen.

Thomas Haeger von der AOK Nordwest wünscht sich auch Vertreter von Kommunen in der Runde, die nach seiner Auffassung mit in die Verantwortung genommen werden sollten.

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