Ärzte Zeitung, 20.01.2017
 

Baden-Württemberg

Südwest-KV will mehr Steuerung von Patienten

Die KV Baden-Württemberg will ihre zentrale Position als "der ambulante Versorger" sichern. Voraussetzung dafür ist aus Sicht des KV-Vorstands eine bessere Steuerung der Patienten.

Von Florian Staeck

STUTTGART. Den KV-Vorstand in Baden-Württemberg treibt die Frage um, wie die KV künftig ihre Marktposition in der ambulanten Versorgung sichern kann, berichtete Dr. Norbert Metke am Mittwoch der Vertreterversammlung. Für nötig hält der KV-Chef zum einen Regeln für die Steuerung der Patienten in Baden-Württemberg.

Zum anderen müsse es bei der Kooperation zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken einen "baden-württembergischen Weg" geben, forderte Metke. Das gelte etwa für Kooperationen bei Notfallpraxen oder beim Thema Entlassmanagement. Der "Traumtänzermentalität" der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die zu Lasten der Ärzte in Klinik und Praxis gehe, müsse ein Ende gesetzt werden, so Metke.

Beginnen möchte die KV mit der Patientensteuerung beim Thema Notfallpraxen. Anstatt die Klinik-Ambulanz aufzusuchen, sollten die Patienten Medcall kontaktieren, das Patiententelefon der KV, lautet der Vorschlag. Alternativer Zugangsweg wäre die App der KVBW. Medcall, das mit medizinischem Fachpersonal besetzt ist, klärt die Dringlichkeit des Anliegens und würde dann die Patienten gegebenenfalls am gleichen Tag dienstbereiten Praxen oder kooperierenden Klinikambulanzen zuweisen – so der Plan.

Im Tagesgeschäft ist die Südwest-KV aktuell in Honorarverhandlungen mit den Kassen für 2017. Eine Einigung ist noch nicht in Sicht, allerdings haben die Gespräche erst kurz vor Weihnachten begonnen. Denn die Kassen wollten erst die Wahl des neuen Vorstands Anfang Dezember abwarten. Die Positionen seien "wie immer zunächst konträr", die Stimmung unter den Verhandlern gebe aber "Anlass zur Hoffnung", so der KV-Chef.

Klarheit gibt es schon jetzt über die Bundesfaktoren, die in das Honorarpaket einfließen werden. Die Veränderungsrate mit Blick auf die Entwicklung der Morbidität wird um rund 0,4 Prozent angehoben. Der ebenfalls auf Bundesebene festgesetzte Orientierungswert steigt in diesem Jahr um 0,9 Prozent auf 10,5300 Cent. Bundesweit mach allein dieser Faktor ein Plus von 315 Millionen Euro aus.

Die Vergütung des Medikationsplans wird im Südwesten mit 16,7 Millionen Euro zu Buche schlagen. Auf KV-Ebene verhandelt werden etwa der Notfalldienst oder der Strukturfonds. Wichtig im KV-Bezirk ist stets die Bereinigung der Gesamtvergütung. Sie belief sich 2016 vor allem aufgrund der starken Haus- und Facharztverträge auf 450 Millionen Euro.

Insgesamt betrug im vergangenen Jahr die Gesamtvergütung rund 4,8 Milliarden Euro, davon macht die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung 2,8 Milliarden Euro aus. Die Honorarabschlüsse der vergangenen Jahre wiesen in der Regel ein Plus von drei bis vier Prozent auf.

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