Ärzte Zeitung online, 05.05.2017

Nordrhein-Westfalen

Grüne sehen GKV-Patienten im Nachteil

Mit einer Studie über unterschiedliche Wartezeiten bei GKV- und PKV-Versicherten untermauern die Grünen ihre Forderung nach einer Bürgerversicherung.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Nach einer aktuellen Erhebung der Grünen geht bei den Wartezeiten bei niedergelassenen Fachärzten die Schere zwischen Kassen- und Privatpatienten weiter auseinander. Im Vorfeld der Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai und der Bundestagswahl im September sieht die gesundheitspolitische Sprecherin der Partei Maria Klein-Schmeink darin eine Bestätigung der Forderung ihrer Partei nach einer Bürgerversicherung. "Gute Medizin darf nicht länger vom Geldbeutel abhängen", sagt sie.

Auf Initiative der Bundestagsabgeordneten aus Münster hatten Anrufer je zwei Mal in 405 Facharztpraxen in Nordrhein-Westfalen angerufen und um einen Termin gebeten – einmal als Kassenpatient, das nächste Mal als Privatpatient. Einbezogen waren Augenärzte, Hautärzte, Kardiologen, Orthopäden, Neurologen und Radiologen. Im Schnitt mussten Kassenpatienten rund 27 Tage länger auf einen Termin warten als Privatversicherte. Bei einer ähnlichen Erhebung vor zwei Jahren hatte die Differenz noch 20 Tage betragen.

Nach Angaben von Klein-Schmeink hat sich dieser Trend auch bei Untersuchungen in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg gezeigt. "Kassenpatienten werden immer stärker gegenüber Privatpatienten bei der Terminvergabe benachteiligt", betont sie.

In NRW gab es dabei deutliche regionale Unterschiede. Am größten war die Differenz mit 43 Tagen in Bielefeld/Ostwestfalen-Lippe, am geringsten in Düsseldorf mit 16 Tagen. Auch die Fachgruppen unterscheiden sich: Bei Radiologen mussten Kassenpatienten im Schnitt 37 Tage länger warten, bei Orthopäden 15. Als "Spitzenreiter" identifizierte Klein-Schmeink einen Augenarzt aus Bonn: Bei ihm hätte man als gesetzlich Versicherter 365 Tage warten müssen, als Privatpatient nur sieben.

Bei rund 30 Prozent der Praxen konnten die Anrufer bei der Terminvergabe keine Unterscheidung nach dem Versicherungsstatus feststellen. In keiner Praxis haben die Mitarbeiter auf die Terminservicestellen (TSS) der KVen hingewiesen.

Klein-Schmeink macht darauf aufmerksam, dass es bei den Anfragen nicht um planbare Termine gegangen sei. Die Anrufer hätten Beschwerdebilder genannt, die das Wohlbefinden beeinträchtigen und bei denen weiteres Warten zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führen konnte.

Der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein Dr. Frank Bergmann kann die Ergebnisse nicht nachvollziehen. "Die Aussagen der Erhebung decken sich nicht mit unseren Erkenntnissen im Zusammenhang mit Wartezeiten auf ambulante Arzttermine in Nordrhein", sagt er. Bei der Umfrage der KBV im vergangenen Sommer hätten 80 Prozent der gesetzlich Versicherten angegeben, keine Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Arzttermin zu haben, so Bergmann.

Auch der Verband der privaten Krankenversicherung verweist auf diese und weitere Untersuchungen, die zu deutlich anderen Ergebnissen gekommen sind. Der Verband bemängelt zudem methodische Schwächen der Erhebung.

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