Ärzte Zeitung online, 16.08.2017

Grundversorger

Fachärzte senden Friedenssignal

Der Streit darüber, wer "Grundversorger" ist, hat sich hochgeschaukelt. Jetzt will der SpiFa Deeskalation.

Von Florian Staeck

BERLIN. Im Streit um die Grundversorgung von Patienten sieht sich der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) missverstanden. In der Verbandszeitschrift "Der Hausarzt" hatte Hausärzteverbandschef Ulrich Weigeldt das Grundsatzpapier des SpiFa harsch als "Angriff auf Hausärzte" kritisiert.

Der Spitzenverband hatte darin vorgeschlagen, Fachärzte sollten im Falle "unimorbider" Patienten die hausärztliche Versorgung zumindest teilweise mit übernehmen. Die Behandlung multimorbider Patienten hingegen solle weiter allein Sache von Hausärzten sein.

Das Papier war mit Ausnahme der FDP unter Gesundheitspolitikern überwiegend auf Skepsis gestoßen. Weigeldt hat im Verbandsorgan die "wirren Phantastereien" des SpiFa als eine Gefahr für die Patientenversorgung bezeichnet.

SpiFa meldet sich zu Wort

Der Vorstandschef des SpiFa, Dr. Dirk Heinrich, hat jetzt in einem Leserbrief an die Zeitschrift versucht, dem Konflikt die Schärfe zu nehmen. Man vermisse eine Auseinandersetzung mit dem SpiFa-Vorschlag, die Betreuungs- und Koordinationsleistungen von Haus- und Fachärzten aus der budgetierten, morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV) herauszunehmen, um sie in die extrabudgetäre Gesamtvergütung (EGV) zu überführen, schreibt Heinrich. Das sei ein wichtiger Teilschritt "um dem Ziel einer Vergütung ohne Budget näher zu kommen".

Die wichtige Rolle niedergelassener Hausärzte werde in dem SpiFa-Papier mehrfach betont, insbesondere hinsichtlich der Steuerung chronisch kranker Patienten. Auch gehe es nicht darum, Hausärzten "irgendetwas wegzunehmen", versichert Heinrich.

Es sei aber eine Tatsache, dass Patienten "sehr bewusst direkt den wohnortnah niedergelassenen Facharzt" aufsuchten. Dieses reale Versorgungsgeschehen könne nicht einfach negiert werden, fordert der SpiFa-Chef.

Daher sieht der Spitzenverband in einer "verstärkten arbeitsteiligen Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten die beste Möglichkeit, der Gefährdung der Hausärzte durch nichtärztliche Assistenzberufe und Apps entgegenzuwirken". Heinrich appelliert daher an den Hausärzteverband, den "konstruktiven Dialog" fortzusetzen.

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