Ärzte Zeitung online, 14.09.2017
 

Thüringen

KV will mehr Zeit für Konnektoren

Der Zeitplan für den Anschluss der Praxen an die Telematik-Infrastruktur ist nach Ansicht der Vertreterversammlung nicht zu halten. Die Verursacher der Verzögerung seien in der Industrie zu suchen, nicht bei den Vertragsärzten.

Von Katrin Zeiß

KV will mehr Zeit für Konnektoren

Die nächste Stufe der Digitalisierung ist in vielen Gegenden Deutschlands, auch in Thüringen, bisher noch eher Ziel als Praxis-Realität.

© Stefan Rajewski // Fotolia

ERFURT. Die KV Thüringen (KVT) fordert mehr Zeit für die Arztpraxen beim Anschluss an die neue Telematik-Infrastruktur (TI), also der Ausrüstung der Praxen mit sogenannten Konnektoren und neuen Kartenlesegeräten.

Realistisch sei eine Mindestfrist von zwei Jahren von dem Zeitpunkt, ab dem die dafür zertifizierte Hardware tatsächlich auf dem Markt sei, heißt es in einer von der Vertreterversammlung einstimmig angenommenen Resolution.

Die Thüringer Vertragsärzte verlangen zudem die Rücknahme der Androhung von Honorarabzügen für Praxen, die den bisherigen, als von der Ärztevertretung zu knapp gestrickt empfundenen Zeitplan nicht einhalten.

Ende 2018? Das reicht nicht!

Nach jetziger Rechtslage ist der Stichtag für den TI-Anschluss der 31. Dezember 2018, was schon eine Verschiebung um ein halbes Jahr gegenüber dem ursprünglich geplanten Termin bedeutet. Dies reicht aus Thüringer Sicht nicht.

Auch der neue Zeitplan stehe in keinem Verhältnis zur zögerlichen Bereitstellung der notwendigen Technik durch die Industrie, zur hohen Zahl anzuschließender Betriebsstätten und zu den begrenzten Kapazitäten der Technik-Dienstleister, betonte die Vertreterversammlung.

An mangelnder Information oder einer Blockadehaltung der Ärzteschaft gegenüber der elektronischen Gesundheitskarte liege es nicht, betonte die KV-Vorsitzende Annette Rommel. "Wir stecken extrem viel Geld und Bemühungen in den Aufbau neuer Strukturen und informieren unsere Ärzte umfassend", stellte sie klar. "Die Verzögerungen bei der TI liegen eindeutig bei der Industrie und wie es letztendlich mit Themen der Datensicherheit aussieht, ist bis dato noch nicht vorauszusagen."

Technikaffine Ärzte sind nötig

Rommel erinnerte an das Arzneimittelprojekt ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen), in das Arztpraxen und Apotheken in Thüringen und Sachsen eingebunden sind. Ärzte und Apotheker managen bei dem Projekt gemeinsam die Medikation von Patienten. Auch dieses sei nur da erfolgreich, wo technikaffine Ärzte selbst oder kleine Software-Anbieter regionale Insellösungen ausgetüftelt hätten.

Grundsätzlich bekannte sich die Vertreterversammlung zur Idee der Telematik-Infrastruktur als wichtiges Mittel zum Datenaustausch zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen. Für die KV stehe der Nutzen für Patienten, Ärzte und Psychotherapeuten im Vordergrund.

Bei der Einführung des Notfall-Datensatzes und der elektronischen Patientenakte dürften die Beteiligten deshalb keine Verzögerungen zulassen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »