Ärzte Zeitung online, 10.10.2017

Ärztemangel

Pädiater suchen Schulterschluss mit Hausärzten

Weg vom Alleinstellungsanspruch: Auf ihrer Herbsttagung in Bad Orb machten die Pädiater deutlich, dass sie dem Ärztemangel nur gemeinsam mit den Allgemeinmedizinern begegnen können und wollen.

Von Raimund Schmid

BAD ORB. Bei der Frage der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung wollen die Pädiater nicht der Politik das Zepter überlassen. Sie wollen aber noch mehr, wie Dr. Thomas Fischbach am Rande des 45. Herbstkongresses des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ankündigte: Da in vielen Regionen sowohl Allgemeinärzte als auch Pädiater fehlen, wolle man nun gemeinsam mit den Hausärzten nach praktikablen Lösungen suchen. "Jeder muss von seinem hohen Ross runter", verkündete der Präsident des BVKJ.

Um das zu erreichen, wurde eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, an der sich Berufsverbände und wissenschaftliche Gesellschaften der Allgemein- sowie der Kinder- und Jugendärzte beteiligen. Dort würden aktuelle Fragestellungen der Aus-, Weiter- und Fortbildung behandelt, bekräftigte auch Professor Erika Baum, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). "Wir sind hier eindeutig auf einem guten Weg und das ist sehr erfreulich", sagte Baum. Die Zeit, in der gegenseitig Ängste geschürt und gegenseitig Abschottungen erfolgten, sei vorbei.

Dazu passt, dass derzeit mit zehn Universitäten an einem gemeinsameren Konzept gearbeitet wird, wie die Allgemeinmedizin und die Pädiatrie strukturell gestärkt und praxisnäher gestaltet werden könnten. Zudem unterstützen die Allgemeinärzte die Pädiater darin, dass im Masterplan 2020 im Bereich der primary care auch die Pädiatrie als Vertiefungsfach aufgenommen werden soll. Umgekehrt gestehen die Kinder- und Jugendärzte den Allgemeinärzten zu, die pädiatrische Basisversorgung in den Regionen, in denen keine Pädiater mehr niedergelassen sind, zu übernehmen. Fischbach: "Einen Alleinvertretungsanspruch können wir angesichts übervoller Praxen und des Pädiatermangels nicht mehr erheben."

Zusätzlich schlug Fischbach folgende Maßnahmen gegen den Ärztemangel vor:

- Etablierung von regionalen Kooperationsmodellen an Ambulanzen in Kliniken, bei denen die Niedergelassenen auf Augenhöhe agieren müssen, um nicht von den Klinikstrukturen "geschluckt" zu werden.

- Schaffung eines Strukturfonds zur Förderung der Niederlassung in strukturschwachen Regionen. Dieser Fonds dürfe aber nicht weiter von den "kleinkarierten Eigeninteressen" der KVen und Kassen bestimmt und finanziell bestückt werden, sondern müsse in unterversorgten Gebieten der öffentlichen Hand als Pflichtleistung übertragen werden.

- Ausbau hausärztlicher MVZ ohne praxisferne bürokratische Auflagen und unter strengem Controlling der regional verantwortlichen Bürgermeister und Landräte.

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