Ärzte Zeitung online, 04.12.2017
 

Sachsen

Kammer gegen Arztanwerbung aus dem Ausland

Die Kammer sieht die Nöte der Kliniken, verzichtet aber auf Anwerbung ausländischer Ärzte.

DRESDEN. Um neue Ärzte für Sachsen und auch Medizinstudenten für eine spätere Tätigkeit im Freistaat zu gewinnen, will die sächsische Landesärztekammer auch künftig keine Ärzte und Studenten aus dem Ausland anwerben.

"Natürlich muss man zugeben, dass der Bedarf an Neueinstellungen im stationären Bereich vor allem auch durch ausländische Ärzte gedeckt wird", sagte Kammerpräsident Erik Bodendieck bei der jüngsten Kammerversammlung in Dresden. "Dennoch wird die Landesärztekammer selbst oder über das Netzwerk Ärzte für Sachsen weiter nur um Nachwuchs in Sachsen und Deutschland werben."

Zur geplanten finanziellen Förderung von Verbünden zur Weiterbildung von Ärzten durch das Sozialministerium äußerte sich Bodendieck erfreut. "Wir werden das Projekt auf jeden Fall inhaltlich und strukturell unterstützen", sagte er. Auch wenn dafür schon Anträge gestellt werden könnten, stünden die Richtlinien zur Vergabe jedoch noch aus.

Die Kammer zeigte sich im Hinblick auf eine mögliche Freigabe von Cannabis sehr kritisch. Als "Dammbruch ohne jegliche wissenschaftliche Prüfung" bezeichnete der Kammerchef die Freigabe des Betäubungsmittels für medizinische Zwecke. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts folgte eine Gesetzesänderung, nach der Cannabis vor allem zur Schmerzbehandlung verordnet werden kann. Er nehme an, die kontrollierte Freigabe von Cannabis, wie sie die FDP und die Grünen forderten, "scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein", so Bodendieck. Nach seiner Ansicht ist "der gesellschaftliche Druck sehr groß". Der Ausschuss Sucht und Drogen der Kammer werde "gegen den Mainstream auf die Gefahren einer Legalisierung hinweisen".

Bodendieck berichtete, dass der Kammer neue Aufgaben übertragen worden seien. So wird die Geschäftsstelle der klinischen Krebsregister eingerichtet – eine Serviceeinrichtung für die vier klinischen Krebsregister im Land. Zudem sei die Landesgeschäftsstelle zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung bei der Kammer angesiedelt worden. (sve)

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