Fernbehandlung

Saar-Ärzte fürchten Kontrollverlust

Die Vertreterversammlung der Saar-Ärztekammer hat eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots mit großer Mehrheit abgelehnt.

Von Andeas Kindel Veröffentlicht:
Behandlung via Tablet: Ärzte an der Saar sind skeptisch.

Behandlung via Tablet: Ärzte an der Saar sind skeptisch.

© Eric Hood/iStockimage

SAARBRÜCKEN. Die Bundesärztekammer bekommt Gegenwind aus den Ländern für ihren Plan, das Fernbehandlungsverbot zu lockern. Im Saarland hat die Vertreterversammlung der Ärztekammer fast mit Zweidrittel-Mehrheit klargestellt: Beratung und Behandlung von Patienten via Internet oder Telefon, ohne den Patienten gesehen zu haben – das kommt für sie nicht in Frage.

23 Vertreter votierten in Saarbrücken gegen eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots. Nur acht waren dafür. Vier enthielten sich. "Ich halte es für das falsche Signal der Bundesärztekammer-Spitze", erklärte Dr. Eckart Rolshoven, Vorstandsmitglied der Saar-Ärztekammer. "Das wäre ein Eingriff in die ärztliche Kunst."

Dammbruch befürchtet

Andere Redner warnten vor einem "Dammbruch", wenn die Vorschläge der Bundesärztekammer beim Deutschen Ärztetag in der kommenden in Erfurt beschlossen werden. "Ich glaube, dass wir hier die Büchse der Pandora öffnen", sagte der St. Ingberter Allgemeinmediziner Dr. Bernhard Leyking. "Wir sollten mutig Nein sagen und nicht dem Zeitgeist unsere Seele opfern."

Kammer-Vorstand Rolshoven äußerte die Sorge, dass die Fernbehandlung — erst einmal eingeführt — nicht in ärztlicher Hand bleibt. "Das wird dann ein neues Geschäftsmodell", befürchtet der Allgemeinmediziner. Er glaube, dass die IT-Industrie dafür erheblichen Druck auf die Politik mache. "Wann soll ich das denn noch machen?" fragte der Homburger Internist Dr. Stefan Mörsdorf. Er habe schon jetzt genug Patienten. Seine Sorge: Größere MVZs könnten in die Fernbehandlung einsteigen und sich so "aus dem Kuchen die Rosinen picken".

Diejenigen, die das Fernbehandlungsverbot lockern wollen, verwiesen darauf, dass es schon jetzt im Internet entsprechende Angebote aus dem Ausland gebe. Sagten die Ärzte jetzt Nein, fahre der Zug eben ohne sie weiter. "Das ist für uns Ärzte die letzte Chance, uns einzubringen", meinte etwa der ehemalige saarländische KV-Vize Wolfgang Meunier. Und der Vizepräsident der saarländischen Ärztekammer, Professor Harry Derouet, ist überzeugt: "Das größte Risiko ist es, gar nichts zu tun".

Verständnis für Bauchschmerzen

Der saarländische Kammerpräsident Dr. Josef Mischo räumte ein, er habe Verständnis für die "Bauchschmerzen" der Kollegen. Aber die persönliche Arzt-Patienten-Beziehung bleibe doch auch bei einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots "der Gold-Standard" für die Mediziner. Man wolle keine telemedizinischen Primärarzt-Modelle, sondern es vielmehr niedergelassenen Kollegen ermöglichen, auch mal eine Online-Sprechstunde anzubieten.

"Unsere Angst ist es, Einflussmöglichkeiten zu verlieren", sagte Mischo. Daher wolle man lieber das Verbot lockern, dafür aber Qualitätsvorgaben machen und zum Beispiel für Fernbehandlungen eine Anzeigepflicht oder die Koppelung an eine niedergelassene Tätigkeit einfordern.

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