Ärzte Zeitung online, 27.06.2018

KV Niedersachsen

Weibliche VV-Mitglieder gegen Quote

Als "diskriminierend" bezeichnen die Frauen in der niedersächsischen Vertreterversammlung die Idee einer Quote in der Selbstverwaltung.

HANNOVER. Die vier weiblichen Mitglieder der 52-köpfigen Vertreterversammlung der KV Niedersachsen (KVN) haben auf der Klausurtagung in Hildesheim die Idee der Regierungskoalition zur Einführung einer Frauenquote in der ärztlichen Selbstverwaltung scharf kritisiert. Das teilt die KVN mit. Diese Idee diskriminiere die weiblichen Mitglieder der Selbstverwaltungsorgane, indem unterstellt werde, dass Frauen zu schwach sind, um aus eigener Kraft Mandate zu erhalten, argumentieren die Frauen in der VV.

Berufspolitisch aktive Menschen übten ihr Mandat aufgrund persönlicher Überzeugung und Willenskraft mit hohem Engagement aus, hieß es. Für dieses Engagement brauche es Raum und Zeit. Beides sei im Arztberuf eine knappe Ressource. So sei es nicht verwunderlich, dass es insgesamt schwer ist, berufspolitischen Nachwuchs zu generieren.

Statt eine Frauenquote zu fordern, sollte die Politik die ärztliche Selbstverwaltung mehr wertschätzen, so die Delegierten. Ein Signal zur Ermunterung junger Kolleginnen und Kollegen, sich in der Selbstverwaltung zu engagieren, könne sein, dass politische Gremien die Arbeit der ärztlichen Selbstverwaltungsgremien sicht- und hörbar wertschätzten und in eine echte Kommunikation eintreten würden, hieß es.

Eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag ergab Anfang des Jahres, das Frauen zwar 46 Prozent der berufstätigen Ärzte ausmachen, aber nur 23,5 Prozent der Kammervorstände und nur 19,5 Prozent der KV-Vorstände.

Nach der Gesundheitsministerkonferenz in Düsseldorf hat Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann (SPD) mehr Frauen in den Führungspositionen der Institutionen im Gesundheitswesen gefordert. Reimann fordert gesetzliche Vorgaben für Vorstände, wie sie bereits in der Privatwirtschaft auf den Weg gebracht wurden, hieß es. "Vorstände, in denen keine Frau mitwirkt, sind veraltet — wir brauchen Gremien, die die Lebenswirklichkeit widerspiegeln", sagt Reimann.In Niedersachsen besteht die KV-Spitze aus zwei Männern (Mark Barjenbruch und Dr. Jörg Berling) und die Spitze der Kammer aus zwei Frauen (Dr. Martina Wenker und Marion Charlotte Renneberg). Unter den insgesamt 60 Mitgliedern der Kammerversammlung der ÄK Niedersachsen sind zwölf Frauen. (cben)

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