Ärzte Zeitung online, 08.09.2018

Kammerwahl in Schleswig-Holstein

Ende einer Ära – Franz Bartmann tritt ab

Kommenden Mittwoch wählt die Kammerversammlung in Schleswig-Holstein einen neuen Präsidenten. Nach 17 Jahren im Amt kandidiert Dr. Franz Bartmann nicht mehr.

Von Dirk Schnack

Ende einer Ära – Franz Bartmann tritt ab

In der Kammer im Norden genießt Dr. Franz Bartmann seit vielen Jahren hohen Rückhalt.

© Dirk Schnack

BAD SEGEBERG. Am 12. September beginnt für die Ärztekammer Schleswig-Holstein die Ära nach Dr. Franz Bartmann. Nach 17 Jahren im Amt des Präsidenten tritt der Flensburger Chirurg nicht erneut an. Kein Präsident in der Landesärztekammer ist zuvor so lange im Amt gewesen. Die konstituierende Kammerversammlung hat am Mittwoch die Wahl zwischen mindestens zwei Bewerbern.

Mit dem bisherigen Vizepräsidenten Dr. Henrik Herrmann und dem Vorstandsmitglied Dr. Christian Sellschopp haben zwei erfahrene Standespolitiker ihre Kandidatur angekündigt. Herrmann (Jahrgang 1958) ist seit 2013 Vizepräsident, Vorsitzender des Weiterbildungsausschusses und Vorsitzender des Landesverbandes im Marburger Bund. Herrmann war lange Jahre Chefarzt der Geriatrie im Westküstenklinikum Brunsbüttel. Sellschopp (Jahrgang 1948) ist niedergelassener Chirurg und war lange Zeit Belegarzt in der Kieler Parkklinik. Er ist seit Jahren standespolitisch engagiert, legt großen Wert auf den Erhalt der Freiberuflichkeit und ist Vorsitzender der Abgeordnetenversammlung in der KV Schleswig-Holstein.

Bartmann tritt zu einem Zeitpunkt ab, zu dem er seine selbst gesteckten Ziele erreicht hat. In der Kammer im Norden genießt er seit vielen Jahren hohen Rückhalt. Lediglich in einer Umbruchphase der Kammerverwaltung kam es zu Meinungsverschiedenheiten, in deren Verlauf auch seine Position intern infrage gestellt wurde. Bartmann gelang der Wandel in der Kammer nicht nur personell. Heute nimmt er sie als "serviceorientierte Körperschaft" wahr. Trotz der Kritik damals war Bartmann überzeugt von seinem Weg: "Aufgeben war nie eine echte Option. Ich habe mich immer in der Pflicht gefühlt."

Auf Bundesebene brauchte Bartmann nach seiner Wahl im Jahr 2001 eine Anlaufzeit. Als Neuling und ohne Verbandsunterstützung im Rücken musste er sich in der Berliner Berufspolitik durchsetzen. Respekt verschaffte ihm sein Einsatz für die Telematik – ein Themengebiet, für das er inzwischen als der Experte in Deutschland gilt. Auf zahlreichen Ärztetagen trat er früh für die Digitalisierung ein, obwohl es dafür häufig Kritik gab. In den vergangenen Jahren hatte er zudem die schwierige Novellierung der Musterweiterbildungsordnung auf den Weg gebracht.

Rückblickend nimmt Bartmann in der Berufspolitik einen deutlich schwindenden Einfluss der Funktionsträger aus ärztlichen Organisationen in der Bundespolitik wahr. "Das Drohpotenzial geht gegen Null. Ihr Einfluss hat nach meiner Wahrnehmung abgenommen", sagt Bartmann. Lobbypolitik sei heute vielfältiger, auch weil Politiker sich andere Ansprechpartner in der Szene suchen, etwa Start-ups in der Telematik. Bartmann rät: "Unsere Standesvertreter tun gut daran, diese Veränderung anzunehmen und ihre Strategien auch daran auszurichten."

Auf Landesebene dagegen fällt seine Einschätzung anders aus. "Wir registrieren in Schleswig-Holstein, dass Entscheidungen hier nicht über unsere Köpfe hinweg getroffen werden, sondern dass die Landesregierungen – das gilt unabhängig von der jeweils regierenden Koalition – unseren Rat in Fragen des Gesundheitswesens sehr wohl suchen und schätzen."

Allerdings warnt er in diesem Zusammenhang vor überzogenen Erwartungen: "Man sollte nicht so vermessen sein zu glauben, dass man diesem Rat immer folgt." Ganz zurückziehen will sich Bartmann nicht: Damit die im Koalitionsvertrag im Norden angekündigte Digitalstrategie vorangetrieben wird, wird er sich für den "Telepakt Schleswig-Holstein" engagieren. Ratschläge für seine Nachfolger sind nicht seine Sache – nur eine Empfehlung: "Authentisch bleiben und nicht versuchen, Rollen zu kopieren oder es allen recht machen zu wollen."

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