Ärzte Zeitung online, 12.09.2018

Kammer Nordrhein

Gegen regionale Monopole im Rheinland

Die Ärztekammer Nordrhein sieht den Aufkauf von Arztsitzen durch Konzerne kritisch.

Von Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollte um Regelungen ergänzt werden, die dem Trend zur Industrialisierung der ambulanten Versorgung Einhalt gebieten. Das fordert der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. Das wäre nach seiner Ansicht sinnvoller als die Ausweitung der Aufgaben der Terminservicestellen und die zwangsweise Verlängerung der Sprechstundenzeiten für niedergelassene Ärzte.

Die Kammer sehe die immer weiter um sich greifende Industrialisierung im Gesundheitswesen mit Sorge, sagte Henke auf dem gemeinsamen Sommerempfang von Kammer und KV Nordrhein in Düsseldorf. Bei Fachgruppen wie Augenärzten, Orthopäden, Radiologen, Nephrologen und Zahnärzten würden Konzerne besonders in Ballungsräumen einen Großteil der Arztsitze aufkaufen, sie in MVZ umwandeln und als Unternehmen betreiben.

Solche regionalen Monopole schränkten die Freiberuflichkeit ein, warnte er. "Ärzte dürfen nicht daran gehindert werden, sich niederzulassen." Gleichzeitig gehe es um die Patienten. Sie müssten auch weiterhin die Möglichkeit haben, zwischen verschiedenen ärztlichen Hilfsangeboten wählen zu können.

Wenn jetzt nicht gegengesteuert werde, sei die Industrialisierung nicht mehr aufzuhalten. "Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass im TSVG Regelungen gefunden werden, die das verhindern", forderte Henke, der für die CDU im Bundestag sitzt.

Bei seinem Parteifreund, dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, läuft er damit offene Türen ein. Das Ministerium habe zu dem Thema eine Arbeitsgruppe eingerichtet, berichtete Laumann. Gemeinsam mit den Gesundheitsberufen wolle man nach Möglichkeiten suchen, ein weiteres Erstarken der Kapitalgesellschaften im Gesundheitswesen zu verhindern.

Laumann betonte den hohen Wert, den die Freiberuflichkeit für ihn habe. "Ich glaube, dass die Freiberuflichkeit der beste Patientenschutz ist." Patienten hätten Anspruch auf einen uneigennützigen, fachlich begründeten Rat, der nicht von wirtschaftlichen Interessen geleitet ist.

Auch das Prinzip der Selbstverwaltung ist für Laumann ein wichtiger Faktor für ein gutes Gesundheitswesen. "Selbst die schwierigste Selbstverwaltung ist immer noch besser als der Staatskommissar", sagte er. Die Zusammenarbeit mit den Kammern und den Kassenärztlichen Vereinigungen sei "hervorragend", weil man sich gemeinsam um die Versorgungsfragen kümmere.

Das Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt für den Minister, dass eine im Gesundheitswesen verbreitete Misstrauenskultur nicht sein müsse. "Wir leben vor, dass man etwas Gescheites hinkriegen kann, wenn man sich gegenseitig traut."

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