Ärzte Zeitung online, 21.12.2018

Lauterbach kartet nach

„Ärzte zu oft auf dem Golfplatz“

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schließt sich dem Ruf der Krankenkassen nach mehr Arztsprechstunden an. Viele Ärzte würden weder Mittwoch- noch Freitagnachmittag arbeiten.

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Karl Lauterbach (hier als Gast in der Tallkshow „M.Lanz“) schließt sich dem Kassentenor nach mehr ärztlichen Sprechstunden an.

© Stephan Persch / dpa / picture alliance

NEU-ISENBURG. In einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ hat SPD-Gesundheitseperte Karl Lauterbach sich in die aktuelle Debatte um mehr Sprechstundenzeiten eingemischt. „Es kann nicht sein, dass Öffnungs- und Arbeitszeiten immer kundenfreundlicher werden, auf kranke Arbeitnehmer so gut wie keine Rücksicht genommen wird, und nur Ärzte davon ausgenommen sind“, wird der Vizevorsitzende der SPD-Fraktion dort zitiert. Viele Ärzte würden weder Mittwoch noch Freitag an den Nachmittagen arbeiten. Und er setzt noch einen drauf:„Der ein oder andere Arzt wird ab Mittwochnachmittag auf dem Golfplatz gesehen“, so Lauterbach wörtlich.

Ärzteverbände hatten sich schon am Vortag gegen die von Seiten des GKV-Spitzenverbandes geäußerte Forderung nach mehr Sprechstunden für die Patienten – vor allem in den Abendstunden und auch samstags – gewehrt. Der Vize-Vorstandschef des Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, hatte zuvor mit den Worten geäußert: „Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte.“

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wies die Forderung als „dreist und frech“ zurück. Vielmehr verweigerten die Kassen den Ärzten ausreichend Honorar. Auch BÄK-Chef Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery sagte: „Die Kassenfunktionäre sollten sich dringend aus ihren Verwaltungsgebäuden heraus bemühen und einen Blick in die Praxen der niedergelassenen Ärzte werfen.“

Der NAV-Virchow-Bund äußerte sich nun ebenfalls zu Stackelberg und Lauterbach. „Was diese beiden Herren hier veranstalten, ist ein absichtlich grobes Foul und soll vom eigenen Versagen ablenken“, so Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands in einer Mitteilung.

Beide seien noch niemals in der Versorgung kranker Menschen tätig gewesen und hätten auch sonst vom Alltag und den Realitäten in den Arztpraxen keine Ahnung. Zynischer und niederträchtiger als mit dem Verweis auf die Golfplatzaktivitäten an Mittwochnachmittagen könne man eine Berufsgruppe nicht diskreditieren, so Heinrichs harsche Kritik. Denn genau in dieser Zeit arbeite man meist die Kassenbürokratie ab. In einem offenen Brief habe er daher Lauterbach aufgefordert, sich bei den niedergelassenen Ärzten zu entschuldigen. (run)

Lesen Sie dazu auch:
GKV-Spitzenverband: Krankenkassen für mehr Sprechstunden abends und am Samstag
Kommentar: Stichelei des GKV-Spitzenverbands

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[26.12.2018, 08:39:17]
Dr. Stefan Graf 
"Praktiker"
Als Naturwissenschaftler kenne ich den Forschungszweig "Theoretische Physik". Herr Professor Lauterbach lehrt mich nicht zu erstenmal, dass es auch die "Theoretische Medizin" zu geben scheint. Einige seiner gern in Talkshows unters Volk gestreuten Empfehlungen zur gesunden Lebensweise und sonstige "Ergüsse" - in diesem Fall zur Arbeit niedergelassener Ärzte - scheinen fernstab jeder Lebensrealität. Allein ein lang zurückliegendes Medizinstudium reicht nicht aus, die medizinische Praxis zu beurteilen.  zum Beitrag »
[22.12.2018, 17:35:18]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
An die, die uns unsere professionelle Vertragsarztwelt auch noch "erklären" wollen!
Unterdessen schlage ich vor, dass alle KollegInnen und ich Herrn von Stackelberg bzw. Herrn Kollegen Prof. Dr. Karl Lauterbach persönliche Fotos unserer Praxisschilder per E-Mail schicken an:

kontakt@gkv-spitzenverband.de

und

karl.lauterbach@bundestag.de

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin in Dortmund zum Beitrag »
[22.12.2018, 11:21:55]
MD Tim Mertens 
Verleumdungspopulismus!!!
Ein von der Wirklichkeit komplett entrückter Bürokrat, der sich in die Amateur-Selbstbedienungsphären der Politik geflüchtet hat, betreibt massiven Verleumdungspopulismus an einer massgeblich von Politikern planwirtschaftlich gegängelten Berufsgruppe, die weit idealistischer agiert als alle Bankberater, Immobilienmakler, Spekulanten, Beamten, Staatsbediensteten, Manager und Versicherungsmenschen zusammen!!!!!!!!!
Ps. Der Herr H. L. sollte mal lieber seine Posten bei den Klinikkonsortien überdenken.  zum Beitrag »
[21.12.2018, 20:22:23]
Dr. Rares Pintea 
?
Wenn Gesundheitspolitiker so über Ärzte reden, die schließlich eine Hauptverantwortung für die Heilung von Patienten und nicht zu vergessen auch für die Finanzierung des Systems tragen müssen (Büdgetierung, Medikamentenkosten usw.) , dann muss man daran zweifeln dass eine objektive und vorurteilsfreie Politik von diesen möglich ist. zum Beitrag »
[21.12.2018, 17:03:01]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Do you have Sex or are you playin' golf"?
Eine beliebte Frage auf Parties oder Abendgesellschaften.

Mein geschätzter Kollege Lauterbach von der SPD, können Sie denn keinem Fettnäpfchen ausweichen? Sie lesen am liebsten trockene Studien, deren praktische Anwendungen Sie kaum realisieren können, weil Ihre Approbation als Arzt bis 2010 ruhte, und Sie bis zum damaligen Zeitpunkt nich mal ein Privatrezepte ausstellen konnten: Sollen Sie doch privat in Talkshows diskutieren, Bio-Körner mahlen, salzlose vegetarische Speisen zubereiten und niedergelassene Vertragsärzte bzw. -Psychotherapeuten "dissen" oder anderen Menschen Ihr angeblich vorbildliches gesundheitsbewusstes Verhalten aufdrängen wollen, das können und dürfen Sie als persönliches Hobby gerne betreiben.

Aber bitte hören Sie auf, professionell agierenden niedergelassenen Vertragsärzte und -Kollegen als Haus-, Familien- und Fachärzten bzw. psychologischen Psychotherapeuten vorzuschreiben, wie sie ihre "Work-Life-Balance" erhalten und bei einer 50-Stunden-Woche ihre Freizeit gestalten wollen.

Ich persönlich hasse vielleicht den VW-Golf-Diesel, aber doch nicht den Golf-Sport. Für mich persönlich ist seit 1994 Skifahren das Größte an Entspannung, Rekreation und Herausforderung: In einer Gruppe über 50 Km fahren, einige tausend Höhenmeter überwinden und die unendliche Weite der winterlichen Gebirgslandschaften genießen.

Aber bitte versuchen Sie nicht, ihre Kolleginnen und Kollegen an den Frontlinien der ambulanten, bio-psycho-sozialen Versorgungsebenen mit billigen "Golfplatz"-Unterstellungen zu diffamieren, zu denunzieren, bloßzustellen, auszugrenzen und zu schikanieren. Golfspieler sind eine insignifikante Größe bei ca 172.000 niedergelassenen Vertragsärztinnen und Vertragsärzten bzw. Psychologischen Psychotherapeuten.

Sonst müsste ich ja noch auf meine alten Tage auswandern, wenn Sie auf einmal doch Bundesgesundheitsminister werden würden?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[21.12.2018, 14:31:19]
Dr. Karlheinz Bayer 
Ganz ohne jeden Zweifel ist es glaubhaft ...

... daß Herr Lauterbach zu oft Ärzte auf dem Golfplatz sieht. Immer wenn er wohl selbst gerade auf den Golfplätzen ist, scheint auch der eine oder andere Arzt dort zu sein. Allerdings aus denselben Quellen wie Herr Minister wissen wir, daß die meisten Ärzte nur deswegen auf dem Golfüplatz sind, auf dem er sich gerade aufhält, weil die Verletzungsgefahr für ihn so immens groß sein dürfte, daß man einen Standby machen muß. Man stelle sich nur vor, ein Golfball träfe Herrn Lauterbach am Kopf, also gewissermaßen am Hirn, und kein Notarzt wäre zur Stelle, ihm umgehend zur Seite zu stehen. Man mag es sich garnicht vorstellen, sollte durch ein solches Ereignis einmal etwas wichtiges erschüttert werden!

P.S.: das Foto von Herrn Lauterbach ist doch sicher nicht von Herrn Lauterbach untertitelt worden, denn das wäre schon schmärztlich ...  zum Beitrag »
[21.12.2018, 13:44:00]
Rudolf Hege 
Arbeitsvertrag anbieten...
Ich bin zwar kein Arzt, aber ich meine, bei solchen Forderungen sollten die GKVen den Ärzten einfach Arbeitsverträge anbieten, mit den heute üblichen Rahmenbedingungen wie geregelten Arbeitszeiten, bezahltem Urlaub, Weihnachtsgeld und Überstundenvergütung. Als Selbständige aber, können Ärzte selbst entscheiden, wie lange und wie oft sie arbeiten wollen. Es ist ja auch ihr Risiko, wenn dann die Kasse nicht stimmt.
Derartige populistische Forderungen bewirken nur einen Gründungsschub von reinen Privatpraxen. Wer will es den Ärzten verdenken? zum Beitrag »

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