Ärzte Zeitung, 06.08.2004

Arzt kann Touristen aus dem Ausland eine Kasse empfehlen

Erstmals direkter Zugang zu niedergelassenen Ärzten

KÖLN (akr). In diesem Sommer haben Touristen aus dem europäischen Ausland zum ersten Mal direkten Zugang zu niedergelassenen Ärzten in Deutschland.

Krankenversicherte aus EU-Ländern und Staaten, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht, wählen jetzt in der Arztpraxis eine deutsche Krankenkasse, die für erbrachte Leistungen aufkommt. Diese Leistungen werden außerhalb des Budgets honoriert. Mit Patienten aus allen anderen Ländern müssen Ärzte privat abrechnen.

Bislang mußten sich Versicherte aus dem europäischen Ausland vor dem Besuch der Arztpraxis entscheiden, bei welcher Krankenkasse sie ihren "Auslandskrankenschein" gegen einen Behandlungsschein eintauschten. Seit Juli fällt der Tourist die Entscheidung für eine deutsche Krankenkasse in der Arztpraxis.

"Der Arzt kann zu Lasten dieser Krankenkasse die erbrachten Leistungen zu den gleichen Bedingungen abrechnen wie für einen in Deutschland Versicherten", sagt Thomas Kopetsch von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die deutsche Kasse holt sich das Geld bei der Heimatversicherung des Patienten zurück.

Formal hat der Tourist das Wahlrecht für eine Kasse. Aber der Arzt soll ihn bei der Entscheidung unterstützen. Er kann ohne Probleme eine Kasse empfehlen, von der er höhere Punktwerte erhält. Das ist in der Regel eine Ersatzkasse.

Mediziner sollten beachten, daß vor der Behandlung dieser Patienten wichtige Formalitäten zu erledigen sind. Ärzte müssen den Behandlungsanspruch des Touristen durch Ausfüllen entsprechender Mustervordrucke dokumentieren. Der Patient hat nur einen Anspruch auf Behandlung zu Lasten der Krankenkasse, wenn er die Europäische Gesundheitskarte oder eine Ersatzbescheinigung vorlegt.

Er kann bis zum 31. Dezember 2005 auch noch das Formular E 111 nutzen, das ist die bislang genutzte Bescheinigung über den Leistungsanspruch in einem anderen Staat der EU. Legt er keines dieser Dokumente vor, muß der Arzt ihm eine Privatrechnung stellen.

Lesen Sie dazu auch:
Behandlung ausländischer Touristen sollte gut dokumentiert werden

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