Ärzte Zeitung, 20.05.2008

Obdachlose fallen in Irland durchs soziale Netz

Ärzte fordern mehr Unterstützung bei der Versorgung obdachloser Patienten / Regierung will Situation prüfen

DUBLIN (ast). Obdachlose Patienten in Irland haben oftmals keinerlei Zugang zu haus- oder fachärztlichen Leistungen. Was noch schlimmer ist: wohnungslosen Patienten fehlt "jede gesundheitspolitische Lobby".

Wie aus aktuellen Zahlen diverser irischer Wohltätigkeitsorganisationen hervor geht, leben in Irland derzeit rund 5000 obdachlose Patienten. Ärzte haben nun von der Regierung in Dublin mehr Unterstützung bei der haus- und fachärztlichen Versorgung von Obdachlosen verlangt. Das Erschreckende ist nach Angaben des Ärztebundes (Irish Medical Organisation, IMO), dass obdachlose Patienten oftmals keinen Zugang zu medizinischen Dienstleistungen haben. "Obdachlose sterben im Durchschnitt deutlich früher als andere Patienten", so die IMO in Dublin.

Die Zahlen: Obdachlose sterben in Irland laut "Nationaly Advisory Committee on Drugs" (NACD) im Schnitt im Alter von 42 Jahren. Nicht-obdachlose Patienten werden dagegen doppelt so alt. Neun von zehn Patienten ohne eine feste Bleibe haben außerdem Gesundheitsprobleme, die nach NACD-Angaben von Asthma über Infektionen bis hin zu koronaren Herz- und Kreislaufleiden reichen. Da diese Patienten "so gut wie nie" Zugang zu haus- oder fachärztlichen Versorgungsangeboten hätten, liege die Mortalität "überdurchschnittlich hoch".

Irische Ärzte fordern von Gesundheitsministerin Mary Harney mehr Unterstützung und Geld aus dem Gesundheitsetat, um entsprechende ambulante Versorgungsangebote zu schaffen. "Es ist ein Skandal, dass obdachlose Patienten in einem reichen Industrieland wie Irland vorzeitig sterben, nur weil sie keinen Zugang zu medizinischen Versorgungsangeboten haben", so eine IMO-Sprecherin vor Journalisten in Dublin.

Die Dubliner Regierung kündigte eine Prüfung der Situation an. Mehrfach hatte die Regierung ihre Absicht erklärt, die Obdachlosigkeit in Irland bis zum Jahr 2008 abschaffen zu wollen. Dieses Ziel wird nach Einschätzung politischer Beobachter mit Sicherheit verfehlt.

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