Ärzte Zeitung, 02.10.2009

Suizidwelle in Frankreich betrifft offenbar besonders auch Ärzte

Frankreich leidet unter der Wirtschaftskrise, die Medien diskutieren über eine Suizidwelle, die offenbar besonders die Ärzte trifft

PARIS (DDB). Seit 18 Monaten haben sich 60 der rund 200 000 französischen Ärzten das Leben genommen. Generell erregen Suizide bei großen Firmen öffentliches Aufsehen - allerdings nicht die viel höhere Suizidrate unter den Medizinern.

Seit rund einem Jahr haben die Gewerkschaften in vielen großen Firmen, darunter France Telecom oder Peugeot eine überdurchschnittliche Zahl von Suiziden unter den Mitarbeitern diesen Firmen registriert. In mehreren Fällen haben die Betroffenen Abschiedsbriefe hinterlassen, in denen sie Stress, Konflikte mit ihren Vorgesetzten oder Angst vor Entlassung als Ursache nennen. Vor allem dem Management von France Telecom machen Gewerkschaften den Vorwurf, Mitarbeiter in den Burnout zu treiben - und einige von ihnen auch in den Freitod.

Vor einigen Tagen versprach der Generaldirektor von France Telecom, Didier Lombard, allen Mitarbeitern der Firma, den Zugang zur psychologischen Hilfe und Beratung im Rahmen der Betriebsgesundheitsdienste zu erleichtern, sowie die Früherkennung von suizidgefährdeten Mitarbeitern zu verbessern.

Derzeit berichten regelmäßig alle Medien über dieses Thema, und viele Fälle von ungeklärten Suiziden von Angestellten werden jetzt unter die Lupe genommen, um einen möglichen Zusammenhang mit beruflichen Problemen zu finden.

Viele Ärzte rufen aber zu mehr Besonnenheit auf und erinnern, dass es für den Freitod häufig viele Ursachen gebe.

Kürzlich stellte aber der Ärzteverband UG fest, dass Ärzte selbst doppelt so stark suizidgefährdet sind wie Mitarbeiter von France Telekom: Dort haben sich seit Anfang vergangenen Jahres 23 der insgesamt 190 000 Angestellten das Leben genommen. In der gleichen Zeit nahmen sich 60 der 200 000 Ärzte das Leben. Leider, so UG-Präsident Dr. Claude Bronner, interessieren die beruflichen Probleme der Ärzte, darunter Kostendruck, Bürokratie und schlechtere Arbeitsbedingungen weder Regierung noch Medien.

Eine kürzlich von Gesundheitsministerium publizierte Studie über Suizid in Frankreich gibt Bronner recht: 2006 lag die durchschnittliche Suizidrate in Frankreich bei 16 pro 100 000 Einwohner, während sie 2008 bei France Telecom 12 pro 100 000 Mitarbeitern betrug. Den Bronner ärgert, dass über die mit 20 pro 100 000 deutlich höhere Suizidrate unter Ärzten so gut wie gar nicht berichtet wird.

Lesen Sie dazu auch:
Selbstmordserie bei France Télécom beschäftigt Regierung

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