Ärzte Zeitung, 20.11.2009

Pflegeversicherung für US-Bürger?

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Alles Sozialismus, oder was? Die Reformdebatte in den USA hält an.

Foto: dpa

Von Claudia Pieper

Bei der Debatte über die Gesundheitsreform in den USA ist die Pflege bisher zu Unrecht ein Randthema gewesen.

Jetzt hat auch der US-Senat einen Entwurf für die Reform des amerikanischen Gesundheitswesens vorgelegt. Zur Erinnerung: der Entwurf des Repräsentantenhauses ist bereits mehrheitlich verabschiedet. Auch das Senatsmodell sieht eine landesweite staatliche Versicherung auf Bundesebene vor. Aber die einzelnen Bundesstaaten sollen die Option haben, eine Beteiligung zu verweigern. Im Vergleich zum Modell des Repräsentantenhauses ist das ein fundamentaler Unterschied. Nach der Senats-Abstimmung muss dieser Entwurf dann mit dem Modell des Repräsentantenhauses abgestimmt werden. Erst ein gemeinsamer Entwurf von beiden Häusern des Kongresses kann dann dem Präsidenten vorgelegt werden.

Was kaum beachtet wird: Die Reformvorlagen enthalten auch eine allgemeine Pflegeversicherung. Das Thema Langzeitpflege allerdings hat in der Debatte längst nicht die Aufmerksamkeit erhalten wie andere Reformbausteine - zu unrecht, meinen Befürworter. Sie verweisen darauf, dass heute bereits zehn Millionen US-Amerikaner auf Langzeitpflege angewiesen sind. Diese Zahl soll im nächsten Jahrzehnt auf 15 Millionen anschwellen. Nur ein Bruchteil - sechs Prozent - der Bürger verfügen über eine Pflegeversicherung. Alle anderen hoffen darauf, im Alter nicht pflegebedürftig zu werden, oder gehen fälschlich davon aus, dass ihre Krankenversicherung die Pflegekosten tragen wird.

Sie werden im Ernstfall bitter enttäuscht. Denn die Seniorenversicherung Medicare zahlt zwar für Kurzzeitpflege (Rehabilitation), für Langzeitpflege dagegen keinen Cent. Wer zum Pflegefall wird und keine spezielle Versicherung abgeschlossen hat, muss sich entweder auf die Betreuung durch Verwandte verlassen oder monatlich Tausende von Dollar für Fremdpflege bezahlen: Ein Pflegeheimplatz kostet derzeit durchschnittlich 75 000 Dollar im Jahr. Nur wer beim Versuch, diese Kosten zu tragen, völlig verarmt und ohne Vermögen dasteht, wird am Ende von der staatlichen Versicherung für Arme, Medicaid, aufgefangen.

Angesichts dieser Situation sah der kürzlich gestorbene Senator Edward Kennedy Handlungsbedarf. Sein Pflegereformansatz "CLASS" ist jetzt Bestandteil der Vorlage im Repräsentantenhaus geworden.

CLASS steht für "Community Living Assistance Services and Supports Act". Beiträge für CLASS würden automatisch vom Gehalt abgezogen. Der Einzelne hätte allerdings die Möglichkeit, sich abzumelden. Jeder, der mindestens fünf Jahre in die Versicherung einbezahlt hätte, würde im Pflegefall das Recht auf Auszahlungen erwerben. Der Auszahlungsbetrag von täglich 50 bis 75 Dollar hinge vom Grad der Pflegebedürftigkeit ab.

Manche Kritiker haben die Höhe der CLASS-Benefits als unzureichend bezeichnet. Es kann nicht bestritten werden, dass die Auszahlungen nicht ausreichen würden, einen Pflegeheimplatz voll zu finanzieren. Laut Befürwortern ist aber das Oberziel von CLASS, Pflegebedürftigen so lange wie möglich ein Leben außerhalb einer Institution zu ermöglichen und mit dem ausgezahlten Geld notwendige Hilfs- oder Umbaumaßnahmen zu finanzieren.

Andere Kritiker halten CLASS für ein Fass ohne Boden. Insbesondere aus dem Senat melden sich Stimmen, die befürchten mit CLASS eine weitere staatliche Versicherung zu schaffen, die langfristig zur Bürde für den Steuerzahler wird.

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