Ärzte Zeitung, 19.04.2011

Babylonisches Sprachgewirr im britischen Gesundheitswesen

Mangelhafte Sprachkenntnisse ausländischer Ärzte führen in Großbritannien offenbar zu immer mehr Unmut bei Kollegen und Patienten.

Babylonisches Sprachgewirr im britischen Gesundheitswesen

Britisches Krankenhaus: Ärzte aus dem Ausland stoßen offenbar auf Sprachbarrieren.

© dpa

LONDON (ast). In Großbritannien praktizieren offenbar viele ausländische Ärzte, ohne genügend Englisch zu sprechen oder zu verstehen. Darauf hat kürzlich der General Medical Council (GMC), ein Organ der ärztlichen Selbstverwaltung, hingewiesen. Der GMC verlangt strengere Kontrollen ausländischer Ärzte im Königreich.

Wie ein Sprecher des GMC in London sagte, häuften sich innerhalb des staatlichen britischen Gesundheitswesens (National Health Service, NHS) die Beschwerden von Patienten und Arbeitgebern über nicht Englisch sprechende Ärzte.

Wieviel Beschwerden genau vorliegen, wurde vom GMC zwar nicht beziffert. Allerdings gebe das Problem "Anlass zur Sorge". Daher wandte sich die Organisation an die Europäische Kommission.

In Großbritannien praktizieren laut offiziellen Angaben derzeit mehr als 23.000 Ärzte aus den 27 EU-Mitgliedsländern sowie aus Norwegen, Island und Liechtenstein. Diese drei Länder genießen bei den Zulassungsbestimmungen für Großbritannien einen Sonderstatus.

Allerdings kommt es offenbar vor, dass EU-Ärzte nicht gut genug Englisch sprechen und verstehen, um vernünftig mit ihren Patienten kommunizieren zu können. Das ist laut GMC "gefährlich und beeinträchtigt die Qualität der ärztlichen Versorgung".

Zwar dürfen NHS-Gesundheitsverwaltungen, Krankenhäuser und andere NHS-Arbeitgeber laut GMC individuell Ärzte vor einer Einstellung auf deren Sprachkenntnisse hin überprüfen. Oftmals geschehe dies aber nicht. Folge: Viele ausländische Ärzte können nur mit einem Dolmetscher mit ihren Patienten kommunizieren. "Das ist nicht akzeptabel", so der GMC.

Innerhalb einiger ärztlicher Standesorganisationen im Königreich herrscht außerdem Unmut über die Tatsache, dass der GMC laut europäischem Recht nicht befugt ist, Ärzte aus EU-Mitgliedsländern auf deren medizinische Kompetenz hin zu prüfen.

Britische Medien berichten immer wieder ausgiebig über Kunstfehler ausländischer Ärzte, die im staatlichen Gesundheitsdienst arbeiten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[19.04.2011, 18:26:41]
Dr. Birgit Bauer 
Nur im britischen Gesundheitswesen ?
Auch in unseren Kliniken gäbe es da viel zu tun. In meinem Umfeld ist eine Klinik wo die Pat. bei der Anamneseerhebung gefragt werden ob sie Englisch sprechen (4 Pat.,völlig unabhängig voneinander berichteten mir davon ).Immer wieder erzählen besonders ältere Pat.,dass sie Ärzte nicht verstehen würden, da sie gebrochen deutsch sprechen würden, auch aus den Erklärungen wären sie nicht schlau geworden und ihre Nachfragen konnten auch nicht beantwortet werden.
Allerdings hätten die Pat.dann doch die ihnen vorgelegten Aufklärungsunterlagen unterschrieben !!!
Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach der Aufklärungspflicht vor Operationen und invasiven Eingriffen.
Ich denke hier gäbe es für unsere Ärztekammern viel zu tun, gerade in Hinblick auf die Öffnung des EU-Arbeitsmarktes.
M.f.G B.Bauer zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Regierung will faire Kassen-Wahl

16:51 UhrBundesgesundheitsminister Spahn wünscht mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Mit einem neuen Gesetz will er das AOK-System umkrempeln. mehr »

Masern-Impfpflicht im Gespräch

Wird die Masern-Impfung bald Pflicht in Deutschland? Laut SPD befindet sich eine solche Vorlage in Abstimmung mit dem Gesundheitsminister. Die Grünen sind skeptisch. mehr »

Wut und Ärger können Schlaganfälle begünstigen

Menschen, die sich häufig aufregen, sind gefährdeter für Schlaganfälle, zeigen Studien. Das gilt aber nicht für alle. Es spielt womöglich der Status eine Rolle, so eine Analyse. mehr »