Ärzte Zeitung, 29.07.2015

Asylbewerber

Anamnesebögen in 15 Sprachen

Die Zahl der Asylbewerber, die in Praxen Hilfe suchen, steigt von Tag zu Tag. Doch wie verständige ich mich mit einem Patienten, der kein Wort Deutsch oder Englisch versteht? Ein vergleichbarer Anamnesebogen bietet eine erste Hilfe.

Von Christiane Badenberg

Anamnesebögen in 15 verschiedenen Sprachen

Die bilingualen Anamnesebögen können bei der ersten Verständigung in der Praxis helfen.

MAINZ. Die steigende Zahl von Asylbewerbern schlägt sich auch in den Praxen nieder und stellt Ärzte oft vor ganz praktische Probleme. Wie verständige ich mich mit dem Patienten, ist dabei sicherlich das schwierigste. Früher oder später ist aber auch die Frage nach der Abrechnung der erbrachten Leistungen zu klären.

In Rheinland-Pfalz wollen die Landesärztekammer und der Verein "Armut und Gesundheit in Deutschland" Ärzten und Patienten mit einfachen Mitteln weiterhelfen. Dazu wurde unter anderem ein vergleichbarer Anamnesebogen entwickelt, der in 15 Sprachen vorliegt.

Der Bogen ist so aufgebaut, dass die Patienten alle Fragen nur mit Ja oder Nein beantworten müssen und sonst lediglich die Namen der Medikamente, die sie einnehmen oder gegen die sie allergisch sind, eintragen sollen.

Bögen können heruntergeladen werden

Die Bögen können auf den Internetseiten der Kammer und des Vereins runtergeladen werden. Sie sind auch als Word-Dokumente hinterlegt, so dass Ärzte sie bei Bedarf nach ihren eigenen Vorstellungen umgestalten können.

Gerne würden Kammer und Verein das Angebot noch ausbauen. "Dazu suchen wir noch Menschen, die uns die Anamnesebögen zum Beispiel ins Albanische oder Mazedonische übersetzen können", sagt der Hauptgeschäftsführer der Landesärztekammer Dr. Jürgen Hoffart. Die Rheinland-Pfälzer gehen davon aus, dass ihr Angebot bis jetzt bundesweit einmalig ist.

Über den Anamnesebogen hinaus, haben Kammer und Verein auch noch ein Informationsflyer zusammengestellt.

Hier können Ärzte nachlesen, welche Behandlungen nach dem Asylbewerber-Leistungs-Gesetz gewährt und abgerechnet werden können, was beim Ausstellen von Rezepten zu beachten ist (Asylbewerber sind von allen Zuzahlungen befreit) sowie bei Überweisungen zum Facharzt oder bei Einweisungen in das Krankenhaus.

Da die Abrechnung erbrachter Leistungen in den Kommunen unterschiedlich gehandhabt wird, gibt der Flyer zu diesem Thema allerdings nur Auskunft für Asylbewerber, die direkt in Mainz oder im Landkreis Mainz-Bingen untergebracht sind.

So wird in Mainz über die KV mit dem Sozialamt abgerechnet, im Landkreis dagegen direkt mit dem Sozialamt.

Hoher bürokratischer Aufwand

Professor Gerhard Trabert, Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit, kritisiert den hohen bürokratischen Aufwand der für die Asylbewerber, aber auch für die Ärzte mit der Versorgung der Patienten verbunden ist. "Wir fordern die Gesundheitskarte für alle Asylbewerber", sagt Trabert.

Die Erfahrungen zum Beispiel in Bremen hätten gezeigt, dass es sich rechne, die Asylbewerber mit Chipkarten auszustatten. Der Gesundheitszustand der Asylbewerber sei besser und der administrative Aufwand geringer.

Laut einer Studie von Gesundheitsökonomen der Universitäten Heidelberg und Bielefeld lagen die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für medizinische Versorgung bei Asylsuchenden mit nur eingeschränktem Zugang zur medizinischen Versorgung in den letzten 20 Jahren um rund 40 Prozent oder 376 Euro höher als bei jenen Asylsuchenden, die bereits Anspruch auf GKV-Leistungen haben.

Ende vergangenen Jahres haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, dass ein Gesetzentwurf erarbeitet werden soll, der die Abgabe von Chipkarten an Asylbewerber erleichtert.

Infoflyer und Anamnesebögen: www.armut-gesundheit.de und www.laek-rlp.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »