Ärzte Zeitung, 14.02.2017

Europäische Arzneimittelbehörde

Berlin will Hut in den Ring werfen

Hat Berlin eine Chance, im Zuge des Brexit neuer Sitz der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zu werden? Die Konkurrenz ist groß.

BERLIN. Berlin will sich um den Sitz der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA bewerben. Das berichtet die "Berliner Morgenpost" in ihrer Sonntagsausgabe. Demnach beabsichtigt Oberbürgermeister Michael Müller (SPD), ein Bewerbungsschreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel zu schicken.

Vakant wird der EMA-Sitz durch den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Seit ihrer Gründung 1993 ist die EMA (bis 2009 "EMEA") in London ansässig.

Starke Konkurrenz für Berlin

Wie die Zeitung weiter berichtet, könnte der Europäische Rat bereits im Sommer dieses Jahres über den neuen Standort der Behörde beschließen. Berlin sehe sich bei seiner Bewerbung allerdings starker Konkurrenz ausgesetzt. Auch Wien, Stockholm, Dublin und Madrid hätten bereits Interesse geäußert, die EMA zu sich zu holen.

Unmittelbar vor dem Brexit-Votum hatte der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) vorgeschlagen, die EMA nach Bonn zu holen, falls der Standort London ausfällt. Diese Idee ist zwischenzeitlich offenbar weiter gereift. Laut "Morgenpost" unterstützt auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, dessen Wahlkreis Rhein-Neuss in der Nähe der einstigen Bundeshauptstadt liegt, den Vorschlag Bonn.

Frankfurt könnte Berlin ausbremsen

Doch auch das Interesse Frankfurts an einem Umzug der Europäischen Bankenaufsicht in die Mainmetropole könnte Berlin einen Strich durch die Rechnung machen, da ein Wechsel gleich zweier EU-Behörden nach Deutschland höchstwahrscheinlich Widerstand bei anderen EU-Mitgliedern provoziert.

Die EMA ist für die zentrale Zulassung sowie für die Überwachung von Human- und Tierarzneimitteln zuständig. Bestimmte neue Produkte wie unter anderem rekombinante Wirkstoffe, Orphan Drugs, Krebs- und HIV- Mittel oder Antidiabetikamüssen das zentrale Zulassungsverfahren absolvieren.Die Behörde spricht jedoch lediglich Zulassungsempfehlungen aus. Die eigentliche Zulassung erfolgt durch die EU-Kommission. (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Vom Chefarzt zum Hausarzt-Assistenten

Selten dürfte es sein, wenn nicht einmalig: Dr. Roger Kuhn hat seinen Chefarztposten im Krankenhaus aufgegeben, um in einer Hausarztpraxis zu arbeiten – als Assistent. mehr »

Keine Notdienstpflicht für ermächtigte Krankenhausärzte

Muss ein ermächtigter Klinikarzt auch KV-Notdienst leisten? Nein, hat das Bundessozialgericht jetzt entschieden. mehr »

Wenn die Depressions-App zweimal klingelt

Smartphone-Apps könnten helfen, eine beginnende Depression oder ein hohes Suizidrisiko aufzuspüren. Lernfähige Algorithmen könnten ein verändertes Nutzerverhalten erkennen – und notfalls Alarm schlagen. mehr »