Ärzte Zeitung online, 23.03.2017

Nationale Akademie der Wissenschaften

5 Empfehlungen, die Gesundheitsversorgung zu verbessern

Wie kann die Gesundheitsversorgung weltweit verbessert werden? Im Vorfeld des G20-Gipfels haben die Wissenschaftsakademien gestern ein Empfehlungspapier an Angela Merkel übergeben.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in der Nationalen Akadamie der Wissenschaften in Halle von Leopoldina-Präsident Jörg Hacker die Gesundheits-Empfehlungen interationaler Wissenschaftler überreicht bekommen.

HALLE. Beim Dialogforum an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale) haben die Wissenschaftsakademien der G20-Staaten Empfehlungen zur späteren Beratung beim G20-Gipfel im Juli an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel übergeben. Das Papier mit Empfehlungen zur Verbesserung der weltweiten Gesundheitsversorgung wurde gemeinsam von den Wissenschaftsakademien der G20-Staaten unter Federführung der Leopoldina erarbeitet. Erstmals bringen die Akademien damit Empfehlungen im Vorfeld des Gipfeltreffens ein, heißt es in einer Pressemitteilung der Leopoldina.

Das G20-Treffen

Das Treffen findet am 7. und 8. Juli 2017 in Hambrug statt

Eigens dafür wurde das Dialogforum Science20 geschaffen.

Erstmals haben Wissenschaftler vor dem Gipfeltreffen Emfpehlungen erarbeitet und überreicht.

Die Wissenschaftsakademien fordern, und vorhandenes Wissen besser zur Prävention zu nutzen. Soziale, umweltbedingte und ökonomische Faktoren, die Gesundheit beeinflussen, sollen in den Fokus rücken. Außerdem empfehlen sie stärkere Bemühungen beim Zugang zu Impfungen und medizinischen Geräten, beim Kampf gegen Antibiotikaresistenzen und bei der globalen Überwachung von Krankheiten und ihrer Ausbreitung.

Die Ebola- und Zika-Epidemien in jüngster Zeit hätten gezeigt, dass ein Krankheitsausbruch in einem Land weltweit auch für andere Länder erhebliche Folgen haben könne. Die Vorsorge für zukünftige Ausbrüche von neuen oder wieder aufkommenden Krankheiten müsse dringend verbessert werden. Außerdem dürfen die Zusammenhänge zwischen übertragbaren und nicht übertragbaren Krankheiten nicht länger übersehen werden, erinnern die beteiligten Wissenschaftler.

Mindestens 15 Prozent aller neuen Krebsfälle weltweit (17,5 Millionen in 2015) werden nach Angaben der Leopoldina von Infektionserregern verursacht. Nicht übertragbare Krankheiten können wiederum das individuelle Risiko, an bestimmten Infektionskrankheiten zu leiden, erhöhen: So könnten zum Beispiel 15 Prozent der Tuberkulosefälle weltweit mit Typ-II-Diabetes zusammenhängen.

Die Empfehlungen wurden daher erarbeitet, um Strategien und Instrumente aufzuzeigen, Krankheiten effektiver zu bekämpfen und die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf dem Zusammenhang zwischen übertragbaren und nicht übertragbaren Krankheiten gelegt, etwa durch Viren mitverursachte Krebserkrankungen.(run)

Die wesentlichen Handlungsempfehlungen, die beim Science20-Dialogforum überreicht wurden lauten:

1. Zuverlässige und belastbare Gesundheitssysteme schaffen

  • starke Systeme der Gesundheitsversorgung sichern, die Folgendes umfassen:

    - robuste Public-Health-Dienste; dazu gehören Krankheitsüberwachung, Epidemiologie, Laborkapazität, Prävention, Ausbildung und Risikominderungsprogramme

    - zugängliche, angemessene und umfassende Grundversorgung sowie andere medizinische Versorgung, einschließlich wirksamer Impfprogramme

  • vorhandenes Wissen anwenden zum Zweck der Prävention:

    - von infektionsbedingten Krebserkrankungen (zum Beispiel Zervixkarzinom, Leberzellkarzinom und Magenkrebs) durch präventive Impfung (humane Papillomviren und Hepatitis-B-Virus) oder andere Behandlungen (Hepatitis-B-Virus und Helicobacter pylori)

    - von Krankheiten, die mit Alkohol- oder Tabakkonsum zusammenhängen, durch Regulierung und Sensibilisierung

    - von Krankheiten wie Typ II-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch die Behandlung von Hypertonie und die Reduzierung von Adipositas

2. Soziale, umweltbedingte und ökonomische Determinanten von Gesundheit in den Blick nehmen

  • Zugang zu sauberer Luft und Wasser (einschließlich Abwasserbehandlung und Abfallmanagement), sanitären Einrichtungen und angemessenem und sicherem Wohnraum sichern sowie gesunde und lebenswerte Städte fördern
  • Gesundheitskompetenz und Wissenserwerb über Risikofaktoren und angemessene Hygiene ab der frühen Kindheit fördern
  • Programme ermöglichen, die Multiplikatoren wie Haushaltsvorstände, Kollegen, Gesundheitsfachkräfte, Arbeitgeber und Lehrer ausbilden und sensibilisieren
  • Mangelernährung beseitigen und die Bildung zum Thema Ernährung verbessern, zum Beispiel in Schulen, durch eine Stärkung des Bewusstseins für Ernährung und Lebensmittelqualität sowie durch die Förderung des Zugangs zu angemessener Ernährung

3. Strategische Instrumente

  • den weltweiten Zugang zu wirksamen Impfprogrammen, Diagnostika, medizinischen Geräten und therapeutischen Arzneimitteln zu erschwinglichen Preisen ermöglichen. Dies würde zudem den Missbrauch von Antibiotika reduzieren und folglich auch die Entstehung von Antibiotikaresistenzen.
  • für die evidenzbasierte Sicherheit und die Vorteile von Impfungen sensibilisieren, um das Vertrauen in Impfstoffe zu stärken.
  • kombinierte Strategien zur globalen Überwachung entwickeln, um übertragbare und nicht übertragbare Krankheiten zu erkennen, zu verfolgen und einzudämmen. Dazu gehören die Stärkung und der Ausbau der Krankheitsberichterstattung, Laborkapazitäten und Syndromüberwachung sowie innovative Data-Mining-Strategien und Informationsaustausch. Eine bessere Koordinierung der Gesundheitssysteme von Mensch, Tier und Umwelt ("One-Health-Konzept") ist wichtig, insbesondere mit Blick auf die Früherkennung und Reaktion bei Gesundheitsgefahren.
  • robuste und aktive Überwachungsnetzwerke unterstützen und die zeitnahe Berichterstattung über Krankheitsausbrüche ermöglichen:

    - Anreize für die unmittelbare Reaktion sowie Zugang zu finanzieller Förderung bereitstellen

    - sicherstellen, dass die direkt oder indirekt von Ausbrüchen betroffenen Länder ihre Maßnahmen von evidenzbasierten, wissenschaftlichen Daten und einer vernünftigen Public-Health-Politik leiten lassen

  • Grundlagenforschung und angewandte Forschung innerhalb und zwischen Ländern unterstützen, da Forschung eine wesentliche Rolle bei der Bereitstellung von Wissen und neuen Instrumenten zur Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderuangen spielt

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