Ärzte Zeitung online, 27.03.2017
 

Frankreich

Sport auf Rezept

Sport auf Rezept: 300 Straßburger Ärzte verordnen Nordic Walking und Co. Nun wird die Idee ausgeweitet.

PARIS. Französische Hausärzte können künftig auf Kosten der Krankenversicherung Sport für Patienten mit bestimmten chronischen Erkrankungen verschreiben. Dieses Modell hat schon im elsässischen Straßburg positive Wirkung gezeigt: Dort haben bereits Hunderte von Patienten den Weg zu Sporthallen wiedergefunden.

2008 wurde der Straßburger Allgemeinmediziner Dr. Alexandre Feltz zum Stadtrat gewählt. Als begeisterter Sportler hält er die Bewegung für ein wirkungsvolles Mittel, um bestimmte Patienten mit weniger Arzneimitteln zu behandeln. Einem Patienten zu empfehlen, Sport zu treiben, reiche aber nicht, um diesen Wunsch zu verwirklichen. Deswegen baute er ab 2012 mit Unterstützung der Stadtverwaltung ein einzigartiges Modell aus: Allgemeinmediziner erhalten nach einer kurzen Fortbildung die Möglichkeit, Sport zu verordnen.

Mit einem Rezept können sich Patienten an öffentliche Sporteinrichtungen mit ausgebildeten Sportlehrern wenden und dort ein Jahr lang kostenlos die Sportart treiben, die für sie am besten passt. Abo- und Eintrittskosten sowie eventuelle Kosten für Sportgeräte werden von der Stadt Straßburg und der Ortskrankenkasse übernommen. Insgesamt kostet das Modell ihren Angaben zufolge zwischen 200 und 300 Euro pro Jahr und Patient.

Derzeit verschreiben rund 300 Straßburger Ärzte Sport an etwa 1400 Patienten, die am liebsten laufen und schwimmen. Patienten können auch kostenlos die öffentlichen Fahrräder der Stadt nutzen, für die sonst monatliche Abos üblich sind.

Vor allem für übergewichtige Patienten sowie Typ-II-Diabetiker registrieren Feltz und seine Kollegen positive Wirkungen: "Bei einigen meiner Patienten konnte ich die Verschreibung von Antidiabetika deutlich reduzieren, weil der Sport selbst die Werte verbessert hatte", erklärt Feltz. Darüber hinaus habe die Teilnahme am Vereinsleben positive Auswirkungen auf das Sozialleben.

Seit zwei Jahren haben sich mehr als 20 andere Großstädte, darunter Paris und Marseille, dem Modell angeschlossen. Im Rahmen eines neuen Gesundheitsgesetzes dürfen jetzt alle Ärzte Frankreichs Sport verschreiben, obwohl die Finanzierung der Leistungen noch nicht überall gewährleistet ist: Dabei haben die Städte und die Ortskrankenkassen das Wort.

Die meisten von ihnen wollen das System aktuell einführen, nicht zuletzt weil auch eine Senkung der Gesundheitskosten erwartet wird. Künftig sollen auch Sport-verschreibende Ärzte eine geringe Honorarprämie erhalten. Diese wurde jedoch noch nicht abschließend beschlossen. (DDB)

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