Ärzte Zeitung online, 14.05.2017

Cyber-Attacke

Die Quittung für den Geiz

Kommentar von Arndt Striegler

Das einzig überraschende an dem Hackerangriff auf das britische Gesundheitswesen ist, dass er nicht schon viel früher kam. Wenn Verwaltungen, Kliniken und Arztpraxen nach wie vor das aus dem Jahre 2001 stammende Windows XP benutzen, welches bekanntermaßen anfällig ist für genau diese Art von Hackerangriff, dann ist das, was jetzt im Vereinigten Königreich geschah, die Quittung für jahrelange Schludrigkeit. Britische Gesundheitspolitiker sind in Krisenfällen stets schnell dabei, Schuldige zu finden. In diesem Fall "die Ärzte", die laut Innenministerin Rudd nicht gewissenhaft ihre Praxiscomputer softwaretechnisch up to date gehalten hätten.

Aber derzeit läuft in Großbritannien der Wahlkampf für die Unterhauswahlen am 8. Juni. Da wollen sich Politiker keine eigenen Versäumnisse vorwerfen lassen. Was kurios ist, denn wenn hier die Schuldfrage gestellt werden muß, dann ist es voranging die drastische Sparpolitik der Regierung May und ihrer Vorgänger. Wenn Ärzte ihre Patienten mangels Betten und anderer Ressourcen auf den Fluren behandeln müssen – kein Wunder, dass dann auch an der IT-Sicherheit gespart wird. Es bleibt zu hoffen, dass aus dem spektakulären Hackerangriff gelernt wird und dass Investitionen in bessere, sichere NHS-Software nun Priorität erhalten.

Lesen Sie dazu auch:
"WannaCry"-Virus: Cyber-Attacke auf britische Kliniken und Hausärzte

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wie Seelenklempner Stress bewältigen

Einen Sonntagsblues kennen sie nicht, denn montags ist Chorprobe: In Berlin singen Psychiater, Psychologen und Neurologen seit Jahren gemeinsam in einem außergewöhnlichen Chor. mehr »

Anti-Aging klappt – mit dem richtigen Sport

Wer sein Leben mit Hilfe von Sport verlängern will, sollte auf Sport setzen – und dabei vor allem auf eine Trainingsform, wie eine saarländische Studie jetzt nahelegt. mehr »

Cannabis ist weiter meistkonsumierte Droge

Sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen nimmt Cannabis unter den illegalen Drogen weiterhin die prominenteste Rolle ein. Das geht aus dem DBDD-Jahresbericht hervor. mehr »