Ärzte Zeitung online, 03.12.2018

Globale Gesundheit

G 20 geizen mit Versprechen

G 20 geizen mit Versprechen

G20-Gipfel in Argentinien: Viel Papier, aber wenig Konkretes zum Thema Gesundheit.

© Lukas Coch/AAP/dpa

BERLIN. Die 20 größten Industrieländer haben bei der Abschlusserklärung ihrer Tagung in Buenos Aires die Notwendigkeit betont, die Gesundheitssysteme zu stärken.

Ziel sei eine allgemeine Gesundheitsversorgung, die alle Bürger erreicht, heißt es in Erklärung der G 20. Freilich wird dies relativiert durch die Einschränkung, dies solle „im Einklang mit einzelstaatlichen Kontexten und Prioritäten“ geschehen. Der „wissenschaftlich anerkannten traditionellen und alternativen Medizin“ wird dabei ausdrücklich ein eigener Wert zuerkannt.

Hervorgehoben wird die Bedeutung der Weltgesundheitsorganisation. Ihr wird eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung eingeräumt, die auch gesundheitspolitische Aspekte umfassen soll. Die WHO gilt auch als zentraler Akteur, der durch besseres Management Gesundheitskrisen wie etwa im Fall von Ebola abwenden soll.

Fortschritte sehen die Präsidenten und Staatschefs bei der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen. Hier müssten sektorübergreifende Ansätze gestärkt werden, heißt es. Deutlicher fällt die Erklärung an anderer Stelle aus: „Wir sind entschlossen, HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria auszumerzen“, erklären die G20.

Gelegenheit, dem Bekenntnis Taten folgen zu lassen, wird es im kommenden Jahr geben. Dann wäre es Sache der Staatengemeinschaft, dem zuständigen Globalen Fonds neue Mittel zukommen zu lassen. (eb)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Überlagerte Gesundheit

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[03.12.2018, 22:18:41]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Außer Spesen nichts gewesen": Es geht um globale Krankheiten und deren Bewältigung, nicht um Gesundheit!
Die 19 größten Industrieländer + EU haben sich mit ihrer G-20-Abschlusserklärung in Buenos Aires (spanisch für "Gute Lüfte" - hat sich deshalb Donald Trump aus der Welt-Klimaerklärung ausgeklinkt?) ausgerechnet die "Gesundheits"-Systeme dieser Welt stärken zu wollen, hoffnungslos blamiert.

Das ist m.E. ein psycho-sozio-pathologisches Kontinuum. Denn selbst bei einem aufwändigen Folgetreffen nach dem ebenso provozierend-ergebnislosen wie chaotischen G-20-Gipfel 2017 in Hamburg haben sich die G-20-"Gesundheits"-Minister lediglich auf eine weltweit praktisch unwirksame Verschreibungspflicht für Antibiotika gegen bakteriell bedingte, übertragbare Krankheiten geeinigt. Diese "Berliner Erklärung" sollte bis Ende 2018 mit dem fragwürdigem Mantra der Rezeptpflicht nationale Aktionspläne gegen zunehmende Antibiotika-Resistenzen formulieren bzw. die Pharmaindustrie mit ins Boot holen und ist damit komplett vor die Wand gefahren.

Die meist selbsternannten ministeriellen Damen und Herren "Gesundheitsexperten" und ihre Zuflüsterer, ebenso wie die G-20 Staaten-"Lenker". haben in ihrem ganzen Berufsleben noch nie einen einzigen Patienten befragt, untersucht oder behandelt. Selbst Kollege Prof. Dr. med. Karl Lauterbach von den deutschen Sozialdemokraten hat seine Approbation als Arzt erst 2010 erlangt und durfte vorher nicht mal ein Privatrezept unterschreiben.

Deshalb verdienen derartige Mammut-Veranstaltungen wie ein G-20-Gipfel, wo auch immer sie stattfinden, nur das Prädikat: "Außer Spesen nichts gewesen!" Und wenn sich mit einem gigantischen finanziellen Aufwand dann auch noch Ressortchefs von 19 Staaten und der EU treffen, um über "Gesundheitsthemen" zu plaudern, wirkt das eher wie die Stationsbesprechung in "Einer flog über das Kuckucksnest".

Gipfel illusionärer Verkennungen ist die krankheitsverleugnende Aussage,
man wolle für "internationale Gesundheitskrisen" besser gerüstet sein. Viele Medien verschweigen der Weltöffentlichkeit vorsätzlich, dass es sich um existenzielle K R A N K H E I T S K R I S E N, um Epidemien, Pandemien bzw. Seuchen bei durch Hygienemängel, kriegs- und armutsgesteuerte Bedrohungslagen entstandene Krisensituationen in den ärmsten Ländern der Welt handelt.

Mehr semantisch-krankheitsverleugnende Einfältigkeit geht gar nicht!
Denn was verbindet die drängenden Themen wie
• Bessere weltweite Bekämpfung von Infektions-, Tumor-, Herz-/Kreislauf-, Lungen-, Umwelt- und Stoffwechselkrankheiten (z. B. Malaria, TBC, HIV, Neoplasien, KHK, Hypertonie, Herzinsuffizienz, p-AVK, Herz- und Hirninfarkt, Diabetes, Adipositas, Rheuma und andere Systemerkrankungen, COPD, Adipositas Mangelerscheinungen, Armut und Hunger)?
• Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014, Dengue-Fieber, West-Nil-Infektion usw.?
• Katastrophenhilfe bei zigtausend Ertrinkenden im Mittelmeer und Südostasien, Großschaden-Ereignissen, Erdbeben, Tsunamis, Überschwemmungen, Bränden und anderen Naturkatastrophen?
• Kampf gegen Antibiotikaresistenzen mit hochgeschätzt weltweit Millionen Toten?
• Optimierter Einsatz von Antibiotika in Human- und Tiermedizin?
• Entwicklung dringend benötigter neuer Antibiotika/Anti-Infektiva?
• spezielle Praxis- und Krankenhaushygiene
• allgemeine Hygiene-Implementierung in der Bevölkerung?

Ärzte-Zeitungs-Leserinnen und -Leser wissen im Gegensatz zu einer völlig abgehobenen Politiker-Kaste, was ich meine: Es geht hier vornehmlich und ausschließlich um K r a n k h e i t e n, Siechtum, Tod und keinesfalls um Gesundheit oder Wohlbefinden! Letzteres wird sich nur in von der realen Welt hermetisch abgeriegelten und abgeschirmten G20-Tagungsorten einstellen, wenn es sich so behaglich am Kamin mit exzessiven CO2-Emissionen über "Gesundheit" parlieren lässt.

Weil damit die sich abstrampelnde Menschheit "Draußen vor der Tür" in der so fernen realen Welt mit ihren hässlichen K r a n k h e i t s-, S e u c h e n- und S o z i a l p r o b l e m e n ausgegrenzt bleibt.

Wer dann noch mit "Antibiotika weltweit nur auf Rezept!" vorpreschen und sich bejubeln lassen möchte, wo multiresistente Keime und Antibiotika-Rückstände in jeder x-beliebigen Flussmündung nachzuweisen sind, gehört einfach rezeptpflichtig ausgelacht!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. St. Moritz/CH)

Glossar:
Die G 20 sind eine 1999 gegründete informelle Gruppe von 19 Staaten und der EU. Mitglieder sind China, Indien, EU, USA, Indonesien, Brasilien, Russland, Mexiko, Japan, Deutschland, Türkei, Frankreich, Großbritannien, Italien, Südafrika, Südkorea, Argentinien, Kanada, Saudi-Arabien und Australien. Zusammen bringen es diese Staaten auf rund 4,9 Milliarden Einwohner.
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gesundheitspolitik_international/?sid=936133
und
Berliner Erklärung zum G20-Gesundheitsgipfel als pdf
http://Gesundheitsministertreffen/Berliner_Erklaerung_der_G20_Gesundheitsminister_20-05.2017.pdf zum Beitrag »

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