Ärzte Zeitung online, 28.04.2017
 

Traumaambulanz

Hilfe für Flüchtlinge

Mehr als 800 Flüchtlinge wurden 2016 in der Kieler Traumaambulanz behandelt. Die Nachfrage steigt.

KIEL. Schleswig-Holstein verzeichnet einen steigenden Bedarf an psychischer Behandlung von Flüchtlingen. In 2016 wurden allein an der neuen Kieler Traumaambulanz mit Schwerpunkt "Flucht und Migration" mehr als 800 Flüchtlinge behandelt. Rund 15 Prozent von ihnen sind Kinder und Jugendliche.

Zur offiziellen Einweihung – über ein Jahr nach Aufnahme der Arbeit – zeichnet sich ab, dass der Bedarf trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen weiter zunimmt. Das liegt auch an der Haltung der Landesregierung zu diesem am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) angesiedelten Spezialangebot. Die Regierung betonte die Bedeutung des Angebotes und stockte die finanzielle Unterstützung auf. Ziel ist es, mit Hilfe einer frühen Behandlung eine mögliche Chronifizierung und anhaltende Ängste und deren Folgen wie etwa Konzentrationsstörungen und sozialer Rückzug zu verringern. "Es muss die Frage nach den menschlichen, aber auch den gesellschaftlichen Folgen von mangelnder initialer Behandlung von psychischen Störungen bei Geflüchteten und Migranten gestellt werden", sagte UKSH-Chef Professor Jens Scholz in diesem Zusammenhang.

Wie groß der Bedarf ist, zeigen aktuelle Zahlen aus Kiel: Im Juli 2016 ging man dort noch von vier Erstgesprächen pro Woche aus. Nachdem im ersten Quartal 2017 102 Neuanmeldungen verzeichnet wurden, liegt die tatsächliche Zahl nun bei durchschnittlich sieben bis acht Erstgesprächen pro Woche.

Das Erstgespräch gilt in der Traumaambulanz als zentraler Baustein der Behandlungsaufnahme. Anschließend stimmt der Behandelnde gemeinsam mit Patient und einer Koordinatorin den weiteren Behandlungsweg ab. Dabei reicht das Spektrum von einer stationären Aufnahme in akuten Krisensituationen über ambulante und psychotherapeutische Behandlung bis zu Ergotherapie und Unterstützungsangebote des Sozialdienstes. Auch eine Abstimmung mit Hilfsorganisationen, Unterkünften und Gesundheitsämtern gehört zur Unterstützung. Weil dies nicht allein über Krankenkassenleistungen abgerechnet werden kann, bezuschusst die Landesregierung die Arbeit, etwa mit der Finanzierung der Projektkoordination und Gebäudenutzung. Außer in Kiel betreibt das UKSH auch in Lübeck eine solche Ambulanz. (di)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »