Ärzte Zeitung online, 20.03.2014

Personalsuche in Kliniken

Kita-Plätze wichtiger als Bezahlung

Krankenhäuser sehen sich durch den höheren Frauenanteil in der Medizin vor große organisatorische und finanzielle Probleme gestellt.

MÜNSTER. Die große Zahl freier Stellen im ärztlichen und pflegerischen Dienst kann nur noch mit internationalen Personalbeschaffungsstrategien gelöst werden.

Davon geht eine Studie des Centrums für Krankenhausmanagement an der Universität Münster in Kooperation mit der studentischen Unternehmensberatung move e.V. aus.

Hintergrund der Untersuchung war der stetig steigende Frauenanteil in der Medizin und der damit verbundene erhöhte Personalbedarf.

Für die Umfrage wurden 212 Fragebögen an Entscheidungsträger in deutschen Kliniken geschickt. 46 Kliniken nahmen an der Befragung teil. Das entspricht einer Rücklaufquote von 21,7 Prozent.

Dabei zeigte sich, dass eine deutliche Mehrheit (80,4 Prozent) der Entscheidungsträger bereits erkannt hat, dass sich in den kommenden Jahren die Arbeitsstrukturen werden ändern müssen und dass diese Herausforderung die Kliniken vor große organisatorische und finanzielle Probleme stellen wird.

Steigende Kosten durch höheren Frauenanteil befürchtet

78,3 Prozent der Befragten war klar, dass vor allem die Schaffung von Kita-Plätzen Vorrang haben muss, gefolgt von geregelten Arbeitszeiten (73,9 Prozent). Als deutlich weniger wichtig wurden dagegen eine höhere Bezahlung eingeschätzt (6,5 Prozent) oder geregelte Weiterbildungen (19,6 Prozent).

Immerhin fast noch jeder vierte Entscheidungsträger (23,9 Prozent) geht davon aus, dass ein Freizeitausgleich für geleistete Überstunden seine Klinik für den weiblichen Ärztenachwuchs attraktiv machen könnte.

Ein Großteil der Befragten (80 Prozent) hält es zudem für möglich, in jedem medizinischen Fachbereich ein familienfreundliches Umfeld zu schaffen, wenn genügend Kita-Plätze und Personal vorhanden sind. Sieben Prozent schlossen allerdings die schneidenden Fächer davon aus.

Auswirkungen auf die Qualität der Patientenversorgung - im positiven wie im negativen Sinn - erwartet kaum einer der Befragten.

Allerdings fürchten viele Entscheidungsträger (82,6 Prozent) Kostensteigerungen durch den höheren Frauenanteil. Bedingt durch das Einrichten von Kita-Plätzen, mehr Teilzeitstellen sowie flexible Arbeitszeitmodelle. (chb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Epileptiker haben hohe Überdosisgefahr

Die Gefahr, an einer Medikamentenüberdosis zu sterben, ist bei Epilepsiekranken fünffach erhöht, so eine Studie. Doch es ist anders, als auf den ersten Blick gedacht: Schuld sind meist nicht die Antikonvulsiva. mehr »

Zehntausende Arztpraxen nicht ohne Barrieren zu erreichen

Nur ein Drittel der Arztpraxen in Deutschland gelten – auch nur zum Teil – als barrierefrei. Das schränke die freie Arztwahl körperlich beeinträchtigter Menschen ein, moniert die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann. mehr »

Nichtstun ist gefährlich für Patientendaten

Nur noch wenige Tage, dann tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Grund genug auch für Ärzte, sich die Prozesse der Datenverarbeitung anzuschauen und auf Sicherheit abzuklopfen. mehr »