Ärzte Zeitung, 21.11.2014

Kommentar zum PID-Urteil

Am Ende der Gesetzgeber

Von Martin Wortmann

Nur selten leisten sich die Gesellschaft und die sie vertretenden Politiker eine breite Debatte über ethische Fragen - wie etwa jetzt zur Sterbehilfe.

Auch die PID gehört zu diesen schwierigen ethischen Fragen. Erbkranke Paare haben den verständlichen Wunsch, die Krankheit nicht an ihre Kinder weiterzugeben. Kritiker haben Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" vor Augen, und behinderte Menschen fürchten, ihr Leben könne wieder als nicht lebenswert gelten.

Die Richter des GKV-Senats beim Bundessozialgericht hatten dies sicherlich alles im Hinterkopf, als sie jetzt über die PID als Kassenleistung entschieden. In ihrer Begründung aber hielten sie sich eng an den Gesetzeswortlaut:

Die PID ist keine "Behandlung eines vorhandenen Leidens", sondern sie diene dem Verwerfen befruchteter Embryonen. Daher gehöre sie nicht zum Leistungsauftrag der gesetzlichen Krankenversicherung.

Im Ergebnis folgten die Kasseler Richter dem weit grundlegenderen Argument, das auch die Barmer GEK vorgetragen hatte: Die PID ist rechtlich und ethisch umstritten. Auch wenn sie in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist - eine Kostenübernahme ohne gesetzlichen Auftrag scheidet aus. Das letzte Wort hat der Gesetzgeber.

Lesen Sie dazu auch:
Urteil: PID ist generell keine Kassenleistung

[22.11.2014, 03:06:12]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
dafür ist die Abtreibung "ethisch" ganz unbestritten eine Kassenleistung
Das spricht für eine Gesellschaft.
Was an dem Wusch auf ein gesundes Kind unethisch sein soll, verstehe ich nicht so ganz.
Es ist allerdings recht teuer, ...
... auf den ersten Blick vielleicht,
auf den 2. ganz sicher nicht! Auch für die Krankenkasse. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

Weg frei für GroKo-Gespräche und Nachverhandlungen

Es war eine Zitterpartie: Weniger als 60 Prozent der SPD-Delegierten auf dem Parteitag stimmten Gesprächen zur Bildung einer große Koalition zu. Nun soll weiterverhandelt werden – auch in Sachen Gesundheit. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »