Ärzte Zeitung online, 19.04.2017
 

Mecklenburg-Vorpommern

Telekonsil vermeidet Gang zum Hautarzt

Ein vom Innovationsfonds gefördertes Projekt der TK erprobt eine App-Anwendung und startet im Herbst.

SCHWERIN. Ein telemedizinisches Konsil für Hauterkrankungen startet in diesem Monat in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 100 Hausärzte, 20 Dermatologen und zehn Notfallambulanzen werden sich landesweit beteiligen. Mit Hilfe einer App werden Hautveränderungen bei Patienten abgebildet und kann der Rat von Spezialisten eingeholt werden.

"Unser Ziel ist es, Patienten einen schnellen Zugang ohne lange Wege und Wartezeiten zu ermöglichen", sagte Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, bei der Vorstellung des Projektes, das vom Innovationsfonds mit 1,8 Millionen Euro über drei Jahre gefördert wird. Die TK ist Konsortialführerin des Projektes, das insbesondere Patienten auf dem Land helfen soll.

Derzeit wird noch an der Funktionalität der App gearbeitet, erste Patienten sollen im September betreut werden. Dann können Hautveränderungen von Patienten über die App verschlüsselt zum Dermatologen oder zu den Spezialisten der Hautklinik in der Universitätsmedizin Greifswald übertragen werden.

Über die App erhalten sie eine konsiliarische Empfehlung zur weiteren Behandlung. Wer als Patient nicht dringend vom Spezialisten behandelt werden muss, spart sich damit einen Termin. Er kann beim Hausarzt bleiben und trotzdem via Telekonsil dermatologisches Fachwissen erhalten.

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) begrüßte das Projekt, weil es Patienten zum Teil lange Anfahrtswege ersparen und später auch auf andere Fachgebiete wie etwa Augenheilkunde übertragen werden kann. "Damit wird also keine Insellösung geschaffen, sondern ein übertragbares Konzept. Im Erfolgsfall kann die neue Versorgungsform auch auf andere strukturschwache ländliche Regionen übertragen werden", sagte Glawe. Austenat-Wied erwartet, dass nach Projektende eine qualitätsgesicherte App-Anwendung in der Regelversorgung implementiert wird. (di)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »