Ärzte Zeitung, 16.12.2008

Kommentar

Nur die Ehe zählt -  ein Anachronismus

Von Florian Staeck

Der Beschluss der Sächsischen Landesregierung ist zukunftsweisend und anachronistisch zugleich: Paare in Sachsen werden künftig bei den Kosten für die künstliche Befruchtung (IvF) vom Land unterstützt. Seit der Bundestag im Jahr 2004 die Zuschüsse der Kassen für die künstliche Befruchtung auf die Hälfte gekürzt hat, ist in Sachsen die Zahl der Lebendgeborenen nach einer IvF von über 2300 (2003) auf zuletzt etwa 1300 Kinder gesunken.

Allerdings beschränkt die Landesregierung ihre Förderung auf verheiratete Paare. Das geht - gerade in den neuen Ländern - völlig an der Lebensrealität der Menschen vorbei. Denn im Osten liegt der Anteil der außerhalb einer Ehe geborenen Kinder bei 60 Prozent, im Westen sind es 24 Prozent.

Seit 1990 ist in den neuen Ländern die Zahl der Geburten in der Ehe dramatisch um 67 Prozent gesunken, bei eheähnlichen Gemeinschaften nur um sieben Prozent. Warum angesichts dieser Zahlen die Unterstützung bei der IvF ein Privileg von Eheleuten bleiben soll, ist das Geheimnis der Landesregierung.

Im Sommer war Sachsen mit einer Gesetzesinitiative im Bundesrat gescheitert, die auf eine Vollfinanzierung der IvF zielte. Daher weist die regionale Neuregelung - trotz aller Mängel - den richtigen Weg.

Lesen Sie dazu auch:
Sachsen zahlt bei künstlicher Befruchtung zu

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »