Ärzte Zeitung, 07.10.2009

Kommentar

Kassensturz im Kassensystem: Sprungbrett für den Systemwechsel?

Von Florian Staeck

Der Ernstfall für den Gesundheitsfonds ist eingetreten. Die gesetzlichen Kassen werden 2010 laut Prognose des Schätzerkreises ein Defizit von 7,4 Milliarden Euro aufhäufen. Dass die Zahl just zum Start der Koalitionsverhandlungen von Union und FDP verkündet wird, entbehrt nicht der Ironie: Denn damit ist genau die Situation eingetreten, die die große Koalition seit 2005 vermeiden wollte.

Der Gesundheitsfonds war vom ersten Tag an als ein strategischer Kompromiss angelegt. Er sollte als Sprungbrett dienen für die Weiterentwicklung der GKV-Finanzierung - hin zu einer Bürgerversicherung oder zu einer Kopfpauschale. Zum Wahljahr 2009 wurde der Fonds von den Großkoalitionären noch üppig ausgestattet. Dass den Kassen 2010 ein riesiges Defizit dräut, hat wenig mit der Wirtschaftskrise und viel mit politischer Taktik zu tun: Der Schuldenberg kann als Vehikel genutzt werden, um zu Systemveränderungen in der GKV zu kommen.

Die Koalitionäre werden in diesen Tagen entscheiden, ob die  Zusatzbelastungen paritätisch verteilt werden. Oder aber es stehen hohe Zusatzbeiträge nur für Versicherte an. Dann würde der Wirtschaftsflügel der Union Recht behalten, der die "kleine Prämie" im Fonds stets als Embryonalform einer Kopfpauschale angesehen hat.

Lesen Sie dazu auch:
Der Gesundheitsfonds steckt tief in der Kreide
Heftiger Streit über Defizit des Gesundheitsfonds

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (18187)
Personen
Florian Staeck (1267)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wie Blinde bei der Brustkrebsvorsorge helfen

Mit blinden Helferinnen will eine Initiative die Brustkrebsvorsorge besser machen. Eine Studie zeigt: Ihr Einsatz hat sich bewährt – mit Einschränkungen. mehr »

So rechnen Ärzte IGeL korrekt ab

IGeL-Abrechnungen führen immer wieder zu Streit mit Patienten oder privaten Kostenträgern, der bis vor den Kadi geht. Hier kommt es auf Details an – und Finger weg von Pauschalen! mehr »

Wer an Darmkrebs stirbt, hat oft das Screening vernachlässigt

Wie wichtig ein regelmäßiges Darmkrebs-Screening ist, wird in einer Untersuchung erneut deutlich. Bei den allermeisten Darmkrebstodesfällen war dies vernachlässigt worden. mehr »