Ärzte Zeitung online, 13.03.2012

Männer rauchen, Frauen machen Entwöhnungskurs

Allem Werben um Männer zum Trotz: Prävention in der Gesetzlichen Krankenversicherung bleibt Frauensache.

Von Florian Staeck

Männer rauchen, Frauen machen Entwöhnungskurs

Finger weg vom Glimmstemmel - Männer nehmen seltener an Entwöhnungskursen teil als Frauen, zeigt der Präventionsbericht 2011.

© Dmitriy Melnikov / Fotolia

BERLIN. Drei von vier Teilnehmern in Bewegungskursen sind im Jahr 2010 Frauen gewesen, heißt es im neuen Präventionsbericht 2011, der vom GKV-Spitzenverband und dem Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen herausgegeben wird.

Demnach trafen in den Kursen 1,08 Millionen Frauen auf lediglich 365 000 Männer. Noch stärker ungleich verteilt waren die Geschlechter bei Ernährungskursen. 93 000 Teilnehmerinnen standen hier knapp 24 000 Teilnehmern gegenüber.

Auch bei Kursen zur Stressbewältigung kamen fünf Frauen auf einen männlichen GKV-Versicherten. Einzige Ausnahme sind Kurse zum Thema Suchtmittelkonsum.

Dabei handelt es sich in 97 Prozent der Fälle um Raucherentwöhnungskurse. Doch obwohl 57 Prozent der Raucher Männer sind, stellten sie mit 43 Prozent die Minderheit in diesen Kursen.

GKV gab 300 Millionen für Prävention aus

Insgesamt haben die gesetzlichen Kassen im Jahr 2010 insgesamt 300 Millionen Euro für Prävention ausgegeben - das entspricht 4,33 Euro je Versicherten. Gesetzlich vorgegeben sind ihnen Ausgaben von 2,86 Euro.

Außer Kursen etwa für Bewegung oder Ernährung bilden die betriebliche Gesundheitsförderung und die an Lebenswelten ausgerichtete Prävention die weiteren Säulen in der GKV.

Gemeint ist die Förderung beispielsweise in Kindertagesstätten, Schulen oder Senioreneinrichtungen. Fachleute sprechen dabei vom sogenannten "Setting-Ansatz".

Von den rund 30 000 Förderprojekten entfielen 53 Prozent auf Kindergärten oder Kindertagesstätten, ingesamt 15 800. Bei bundesweit knapp 22 900 Kitas und Kindergärten entspricht das einem Betreuungsgrad von 69 Prozent.

Mit Abstand das zweithäufigste "Setting" waren Grundschulen, auf die 18 Prozent aller Projekte entfielen.

Förderung in Lebenswelten erreicht Kinder

Als Vorteil der Lebenswelt-bezogenen Förderung gilt, dass Kinder aller sozialen Schichten erreicht werden können. Beispiele für Gesundheitsförderung sind Programme wie "TigerKids - Kindergarten aktiv" oder der "Gesundheitskoffer - Fit von Klein auf".

Im Zentrum des Programms "TigerKids" steht die Adipositasprävention. Als eines der Ziele wird das "handlungsorientierte Erleben und Einüben eines gesunden Lebensstils" angegeben.

Sieben Prozent mehr als 2009 haben die Kassen 2010 nach eigenen Angaben in die betriebliche Gesundheitsförderung investiert. Insgesamt wurden für Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz 42 Millionen Euro ausgegeben. 6500 Betriebe konnten dabei erreicht werden, 21 Prozent mehr als noch im Jahr 2009.

Prävention am Arbeitsplatz im Fokus

Ein Schwerpunkt bildeten Projekte, die das Ziel haben, die körperlichen Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren. Deshalb entfielen auch 42 Prozent der Maßnahmen auf Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes.

Stark gestiegen ist dabei die Zahl der Arbeitnehmer über 50 Jahre, die durch die Projekte erreicht wurden. 2009 profitierten davon rund 52 000 Arbeitnehmer, ein Jahr später waren es bereits knapp 86 000.

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