Ärzte Zeitung, 11.09.2012

Kassenpolster

Versicherte wollen keine Prämien

Das deutsche Gesundheitswesen ist gesund - davon ist die Mehrheit der Deutschen überzeugt. Sie sind zufrieden, vor allem in der GKV - und wollen die Überschüsse in Form von Prämien überhaupt nicht ausbezahlt bekommen.

Von Angela Mißlbeck

Gute Medizin braucht auch Investitionen

Wohin damit? Die Versicherten halten wenig von Prämien.

© Marc Dietrich / shutterstock.com

BERLIN. Etwa jeder vierte Bürger hat in den letzten zwei Jahren negative Erfahrungen bei seiner Gesundheitsversorgung gemacht.

Gute Medizin braucht auch Investitionen

Knapp 1100 von mehr als 4000 Befragten im Rahmen einer repräsentativen Telefonumfrage von Kantar Health für den Bundesverband der Betriebskrankenkassen nannten verschiedene schlechte Erfahrungen.

Ein Drittel von ihnen beklagte, sie hätten eine falsche Diagnose, schlechte Behandlung oder kein fachkundiges Personal erlebt (34 Prozent).

31 Prozent berichteten aber über Ärger mit ihrer Krankenversicherung, sei es wegen der Übernahme von Kosten für beantragte Leistungen oder allgemeiner Unzufriedenheit. Dabei schnitt die GKV besser ab als die PKV.

Von den privat Versicherten mit negativen Erfahrungen gaben 43 Prozent an, dass sie mit der Versicherung unzufrieden waren. Privatversicherte klagen dagegen etwas seltener über Wartezeiten bei Ärzten und in den Notaufnahmen der Krankenhäuser als GKV-Patienten.

Im Durchschnitt war das für 14 Prozent der Befragten in den letzten zwei Jahren ein Problem, bei den PKV-Versicherten nannten es noch neun Prozent.

Insgesamt zeigten sich aber mehr als drei Viertel der Befragten zufrieden mit dem deutschen Gesundheitswesen. Jeder Fünfte gab sogar an, er sei sehr zufrieden. Ausgeprägte Unzufriedenheit äußerten nur fünf Prozent.

Mehr Leistungen, weniger Zuzahlung gewünscht

"Der Bürger empfindet es als gerecht, was er zahlt und welche Leistungen er dafür erhält", so das Fazit von Heinz Kaltenbach, Geschäftsführer des BKK-Bundesverbands.

Überrascht zeigte er sich jedoch davon, dass im Durchschnitt 68 Prozent der Befragten für den Einheitsbeitragssatz votierten.

Die Betriebskrankenkassen seien dagegen auch weiterhin "Verfechter der Beitragsautonomie der Krankenkassen".

Noch eine Überraschung: Mit Blick auf die aktuellen Überschüsse der GKV sprechen sich nur zwanzig Prozent für eine Barauszahlung aus. 31 Prozent wollen, dass das Geld zurückgelegt wird, und 43 Prozent plädieren für Investitionen.

Hier gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Für Rücklagen plädieren nur 22 Prozent der Menschen in den östlichen, aber 33 Prozent in den westlichen Ländern.

Dagegen spricht sich exakt die Hälfte der Befragten aus den neuen Bundesländern für Investitionen aus. Im Westen sind es 42 Prozent.

Investiert werden soll vor allem in Leistungsverbesserungen. Zuzahlungen reduzieren und Leistungen erhöhen - das forderten 27 Prozent.

22 Prozent sprachen sich für bessere Leistungen für spezielle Patientengruppen aus, 21 Prozent für eine Ausweitung der Versorgung vor allem auf dem Land. "Die Bürger wollen leine Rücknahme von Leistungen, sondern man wünscht sich Mehrleistungen", so Kaltenbach.

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[11.09.2012, 16:56:16]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Zu meiner Schande muss ich gestehen, ...
dass ich mit derart intelligenten Antworten der GKV- und PKV-Versicherten nicht gerechnet habe.

Dabei nimmt der Ärger mit den Krankenkassen bei meinen Patienten deutlich zu:
Heute saß eine sonst sehr aktive, freundliche 71-Jährige in Tränen aufgelöst bei mir: Z. n. Apoplex durch Hirnblutung re; Residualbefund nach Hemiplegie li, Z. n. LWK-Fraktur Osteoporose bedingt. Lfd. Physiotherapie. Stellte einen Antrag auf zusätzliche ambulante REHA zur Teilhabeverbesserung und Medikamentenreduktion, durchzuführen von einem anerkannten REHA-Träger vor Ort. Ich hatte ihr eher zur stationären REHA im nahe gelegenen Klinikzentrum am Stein in Olsberg geraten. Sie wollte aber nur ganz bescheiden sein, eine ambulante Kur sollte genügen. Die Barmer-GEK hatte über ihren MDK-Gutachter 'nach Aktenlage' auf Ablehnung und Verweis auf ambulante Maßnahmen - genau die, welche wir beantragt hatten – gedrängt. Völlig sach- und rechtsfremd entschieden; der ganze bürokratische Praxisaufwand – umsonst!

Gestern beim Hausbesuch bei einer gebrechlichen 87-jährigen Post- Privatversicherten: Sie hat eine Spondylolisthesis, mehretagige BS-Vorfälle mit Spinalkanalstenose und chronischem Schmerzsyndrom. CT-gestützte PRT's wurden mehrfach durchgeführt und anstandslos bezahlt. Jetzt bedrängt die Sachbearbeiterin der PKV die Patientin, auf das Injektionspräparat Dynastat® i. m. zu verzichten; die private Krankenkasse würde die Kosten einfach nicht mehr übernehmen können!

Meine persönlichen Schlussfolgerungen nach der repräsentativen Telefonumfrage von Kantar Health für den Bundesverband der Betriebskrankenkassen:
1. K r a n k e entlasten von Praxisgebühr, Zuzahlungen und IGeL.
2. B e s s e r e Versorgung, w e n i g e r Kassenbürokratie.
3. W e n i g e r Wartezeiten, m e h r Leistungsumfang.
4. Qualifizierte "Health-Care-Worker".
5. Für A l l e bezahlbare Krankenversicherungsprämien/-beiträge.
6. Beitragssenkungen, Praxisgebührabschaffung v o r Prämienauszahlungen.
7. Solidarität und Subsidiarität der Gesunden f ü r die Kranken.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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