Ärzte Zeitung, 15.11.2012

Hartmannbund fordert

Chef der KKH-Allianz muss abdanken!

Die Vorwürfe haben sich bestätigt: Die KKH-Allianz hat doch Versicherte loswerden wollen - das gestand die Kasse in Einzelfällen ein. Jetzt fordert der Hartmannbund: Kassen-Chef Ingo Kailuweit soll seinen Hut nehmen.

Von Christian Beneker

Chef der KKH Allianz muss abdanken!

Sein Rücktritt wird gefordert: Ingo Kailuweit, Vorstandsvorsitzender der KKH-Allianz.

© Holger Hollemann / dpa

HANNOVER. Der Niedersächsische Hartmannbund fordert den Rücktritt von Ingo Kailuweit als Vorstandsvorsitzender der KKH-Allianz.

"Der Vorstandsvorsitzende der KKH muss umgehend die Verantwortung für die ,kriminellen Machenschaften‘ seiner Versicherung übernehmen, die besonders Kranke und damit für die Kasse teure Versicherte zum Kassenwechsel aufgefordert hat", so der Vorsitzende des Hartmannbundes in Niedersachsen, Dr. Bernd Lücke, in Hannover.

Nun werde Kailuweits Stellvertreter Rudolf Hauke vorgeschickt, um den Sachverhalt scheibchenweise einzugestehen. Die KKH-Allianz weist die Forderung zurück.

KKH-Allianz entschuldigt sich

Kürzlich hatte die Kasse einen Bericht des ZDF-Magazins Frontal 21 kommentiert, laut dem Kassenmitarbeiter zahlungssäumige Kunden in Telefonaten aus der Kasse drängen wollten. Dabei wehrte sich die KKH-Allianz zwar gegen die Vorwürfe, entschuldigte sich aber zugleich bei den Betroffenen.

"Wir können und wollen nicht abstreiten, dass in Einzelfällen Betroffenen in Telefonaten im Zusammenhang mit ausstehenden Zusatzbeiträgen auf inakzeptable Art und Weise ein Wechsel der Krankenkasse nahegelegt worden ist", so Vorstandsmitglied Rudolf Hauke in einer Kassenmitteilung.

"Ich entschuldige mich aufrichtig bei den Betroffenen, denen entgegen unserer ursprünglichen Intention, über Lösungen des Schuldenproblems zu sprechen, in den Telefonaten eine Kündigung nahegelegt wurde. Gleichzeitig mache ich allen Betroffenen das Angebot, dass wir ihre Kündigung als unwirksam betrachten und sie gerne wieder in unsere Solidargemeinschaft aufnehmen werden."

Die Telefonate seien von Mitarbeitern der Kasse und nicht von einem Call-Center geführt worden, so die Krankenkasse.

Nach den 1200 seit 2010 geführten Telefonaten hätten aber nur zehn Prozent der Angesprochenen gekündigt oder ihre Kündigungsabsicht kundgetan, so das Ergebnis eines Zwischenberichtes.

Diese Zahlen bestätigte der Sprecher der KKH-Allianz Simon Kopelke auch für den Schlussbericht. Diesen hat die Krankenkasse am Mittwoch an das Bundesversicherungsamt (BVA) geschickt.

"Einzelfälle - kein System"

Die Kasse reagierte nüchtern auf die Forderungen des HB. "Vielleicht sind einige Einzelfälle zu viel gewesen", sagt Kopelke der "Ärzte Zeitung", "aber hinter den Telefonaten stand kein System oder Ähnliches."

Zwar seien für den Schlussbericht auch die internen Verantwortlichkeiten geprüft worden. Aber es sei niemand entlassen oder versetzt worden, so Kopelke. Über entsprechende Konsequenzen nachzudenken sei "Spekulation".

Der Hartmannbund sieht das Verhalten der Kassen als möglicherweise strafwürdig.

"Nach Meinung des Hartmannbundes ist hier neben dem Ministerium als Rechtsaufsicht auch die Staatsanwaltschaft gefordert zu prüfen, ob hier der Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt", hieß es.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »