Ärzte Zeitung online, 15.08.2013

Kommentar zum Kassen-Palast

Unnötig und unzweckmäßig

Der GKV-Spitzenverband will die Immobilie erwerben, in der er residiert. Wirtschaftlich ist das vermutlich nicht.

Von Helmut Laschet

Kassenpatienten dürfen nach Paragraf 12 SGB V nur Leistungen beanspruchen, die ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind. Daran sind auch Ärzte und andere Leistungserbringer gebunden.

Aber außerhalb dieses Maßstabs stellt sich der GKV-Spitzenverband: Er plant den Ankauf einer einer Luxus-Immobilie in einer Top-Lage in Berlin-Mitte zu einem Kaufpreis in der Größenordnung von 75 Millionen Euro.

Das mögen "Peanuts" sein angesichts einer Finanzreserve im GKV-System von 28 Milliarden Euro. Aber das ist nicht die relevante Vergleichsgröße.

Tatsächlich ist der GKV-Spitzenverband mit seinen 375 Mitarbeitern nach wirtschaftlichen Maßstäben ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen, dessen Bruttowertschöpfung pro Jahr in der Größenordnung von 20 bis 25 Millionen Euro liegen könnte. Dafür fast das Vierfache an Kapital zu binden, würde keinem privaten Investor einfallen.

Ein der "Ärzte Zeitung" vorliegendes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers zeigt nicht nur einen quantifizierbaren Nachteil, von rund 4,5 Millionen Euro im Vergleich zur Anmietung des Objekts. Als Immobilieneigner wäre der GKV-Spitzenverband auch unflexibel.

Niemand weiß, was der Gesetzgeber in den nächsten 20 Jahren plant und ob der Verband seine gegenwärtigen Funktionen behalten wird. Vor diesem Hintergrund verwundert es, dass das Bundesgesundheitsministerium den SpiBu nicht gestoppt hat. Das ist Laissez faire im Umgang mit Versichertengeldern.

Lesen Sie dazu auch:
Gutachter widersprechen Spitzenverband: Kassen-Palast lieber mieten!

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (18105)
Personen
Helmut Laschet (1514)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[16.08.2013, 13:29:21]
Dr. Karlheinz Bayer 
Herrlich!

Die Verknüpfung der neuen Datsche mit §12 SGB V ist genial!

Danke! zum Beitrag »
[15.08.2013, 20:29:51]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Palazzo Prozzo?
Diese SpiBu-Immobilie will ich natürlich nicht mit dem „Palazzo prozzo“, oder wie Erich Honnecker immer fast zärtlich sagte, „Ballast der Republik“, der ehemaligen DDR vergleichen. Aber der Spitzenverband Bund der Gesetzlichen Krankenkassen, der sich s e l b s t SpiBu nennt, ist per SGB V tatsächlich verpflichtet, ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich haus zuhalten; angefangen bei den lächerlichen Hausarzt-Honoraren von 12,20 Euro pro Patient und pro Quartal.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bundestag will zweite Runde für TSVG

Die erste Anhörungsrunde zum Termineservicegesetz verlief erwartungsgemäß kontrovers. Der Gesundheitsausschuss hat für den 13. Februar eine weitere Anhörung angesetzt. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »