Ärzte Zeitung online, 20.06.2019

GKV-Finanzergebnisse QI/2019

Die Ansparphase bei den Krankenkassen ist beendet

Die Finanzreserven in der Gesetzlichen Krankenversicherung sind im Vorjahresvergleich leicht gesunken. Der Gesundheitsminister sieht weiter Spielräume für mehr Leistungen oder finanzielle Entlastung der Mitglieder.

Von Hauke Gerlof

116a0401_8420642-A.jpg

BERLIN. Die gesetzlichen Krankenkassen haben im ersten Quartal dieses Jahres 62,3 Milliarden Euro eingenommen und 62,4 Milliarden Euro ausgegeben. Das geht aus dem vorläufigen Rechnungsergebnis der GKV hervor, das das Bundesgesundheitsministerium am Donnerstag vorgelegt hat. Das Defizit von gut 100 Millionen Euro gleicht sich allerdings aus durch einen um 100 Millionen Euro erhöhten Überschuss der GKV, der sich aus den endgültigen Jahresergebnissen für 2018 ergibt.

Die Finanzreserven der GKV – 21 Milliarden Euro bei den Krankenkassen und 7,1 Milliarden Euro im Gesundheitsfonds – sind damit im Vergleich zum Vorjahresstand um 0,9 Milliarden Euro abgeschmolzen. Die Reserven der Kassen für sich genommen sind um 1,1 Milliarden Euro sogar nochmals gestiegen, die des Gesundheitsfonds allerdings um zwei Milliarden Euro gesunken.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen; die Krankenkassen verfügten „immer noch über ausreichend Rücklagen“. Die Reserven entsprächen mehr als einer Monatsausgabe und damit mehr als dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve, heißt es vom Ministerium.

Spahn forderte, die Spielräume „konsequent“ zu nutzen – „entweder für bessere Leistungen oder für finanzielle Entlastungen ihrer Versicherten“. Immerhin hätten bereits einige Krankenkassen den Zusatzbeitragssatz gesenkt. Nach den GKV-Zahlen steht der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz inzwischen bei 1,01 Prozent und damit 0,07 Prozentpunkte unterhalb des Vorjahresquartals.

GKV-Spibu erwartet keine dramatische Entwicklung

Trotz der guten Lage hatten die Kassen zuletzt vor deutlichen Ausgabenrisiken gewarnt. Die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, sagte, sie erwarte für 2020 zwar „keine dramatische Entwicklung“. Aber eine genaue Ausgabenprognose sei wegen vieler neuer Gesetze und Gesetzespläne mit Mehrkosten für die Kassen momentan nicht möglich.

Statt gebotener Zurückhaltung gebe es eine große Kreativität, was zusätzliche Ausgaben angehe, so Pfeiffer. Hintergrund sind Pläne unter anderem zur Digitalisierung des Gesundheitswesens oder zu neuen Ausbildungen für Psychotherapeuten und Hebammen.

Die Finanzergebnisse der Krankenkassen zeigen weiterhin ein differenziertes Bild. Die Ortskrankenkassen verzeichneten im ersten Quartal demnach wiederum einen Überschuss (89 Millionen Euro). Leicht im Plus lagen auch die Knappschaft-Bahn-See und die Landwirtschaftliche Krankenversicherung.

Die Ersatzkassen (minus 151 Millionen Euro) und Betriebskrankenkassen (minus 59 Millionen Euro) und Innungskrankenkassen (minus 16 Millionen Euro) verbuchen dagegen Defizite. Das BMG verweist in seiner Mitteilung darauf, dass das Defizit bei den Ersatzkassen „fast ausschließlich“ auf ein entsprechendes Minus der größten Ersatzkasse zurückzuführen sei, die damit einen geringen Teil ihrer Finanzreserven abgebaut habe.

Kräftige Ausgaben-Zuwächse bei Psychotherapeuten

Bei weiterhin steigenden Versichertenzahlen (plus 0,6 Prozent) stiegen die Leistungsangaben der Krankenkassen nach Angaben des BMG um 4,5 Prozent, die Verwaltungskosten um 3,6 Prozent. Je Versichertem stiegen die Gesamtausgaben um 3,9 Prozent. Zu berücksichtigen sei dabei allerdings, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Abrechnungsdaten der Leistungserbringer vorliegen.

Leicht unter dem Durchschnitt der Ausgabensteigerung lag die vertragsärztliche Vergütung mit 3,5 Prozent (drei Prozent je Versichertem). Besonders kräftige Zuwächse verzeichneten dabei die Psychotherapeuten bei den extrabudgetären Honoraren und die Hochschulambulanzen (plus 21,6 Prozent). Einen Ausgabensprung gab es auch in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung mit einem Zuwachs um 23,1 Prozent.

Die Arzneiausgaben stiegen laut BMG um 3,4 Prozent je Versichertem, vor allem durch „Entwicklungen im Bereich innovativer Arzneimittel“. Entlastet würden die Kassen nach wie vor durch „deutliche Zuwächse bei Rabattvereinbarungen mit Pharma-Unternehmen (plus 7,5 Prozent).

Im Krankenhaussektor sieht das Ministerium weiter eine „moderate Mengenentwicklung“ angesichts von Ausgabensteigerungen um 2,9 Prozent – bei einem im Schnitt um 2,5 Prozent gestiegenen Landesbasisfallwert. (mit dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Notfallpläne heiß ersehnt

Eine neue Hitzewelle hält Deutschland in Atem. Ärzte schlagen Alarm: Die Versorgung ist nicht auf solche Extremsituationen vorbereitet – ein Aktionsplan muss her! mehr »

Böser Bambusbecher?

Nachhaltig, umweltfreundlich, ein Naturprodukt: Produzenten loben ihre Bambustrinkbecher in höchsten Tönen. Anders sieht es die Stiftung Warentest. mehr »

Brustschmerzen selten Krebs-Hinweis

Bei Frauen mit isoliertem Brustschmerz können sich Ärzte in der Regel eine aufwendige Tumordiagnostik sparen. Das geht aus einer kanadischen Analyse hervor. mehr »