Ärzte Zeitung online, 18.10.2017
 

Notdienstkooperation

KV und Klinikträger zeigen, wie es geht

Erste Notdienstkooperation zwischen der KV und Krankenhäusern in Thüringen: In der Region nördlich von Erfurt organisieren die Partner gemeinsam die Versorgung von Notfallpatienten. Zugleich wurde dort der Bereitschaftsdienst neu strukturiert.

Von Katrin zeiß

KV und Klinikträger zeigen, wie es geht

Die KV Thüringen arbeitet bei der Versorgung von Notfallpatienten künftig mit drei Kliniken zusammen.

© vege / fotolia

ERFURT. In Thüringen ist die erste Notdienstkooperation zwischen der KV und einem Krankenhausträger gestartet. Seit Anfang Oktober organisieren die Thüringer DRK-Krankenhäuser in Sömmerda, Sondershausen und Bad Frankenhausen die Versorgung von Notfallpatienten gemeinsam mit der KV Thüringen.

Ziel ist eine Entlastung der Klinik-Notaufnahmen in den drei Häusern der Grundversorgung. Zugleich wurde der kassenärztliche Notdienst in diesen ländlich geprägten Regionen nördlich der Landeshauptstadt Erfurt neu strukturiert.

In den drei Thüringer DRK-Kliniken erhalten Patienten, die bei akuten Erkrankungen direkt ins Krankenhaus gehen, nun zunächst eine Ersteinschätzung, wie der Leitende Oberarzt der Zentralen Notaufnahmen der Häuser, Axel Pleßmann, sagte. "Fachpersonal ermittelt dabei nach medizinischen Gesichtspunkten, ob es sich um einen Notfall handelt oder einfach um eine akute Erkrankung."

Konzentration auf schwere Fälle

Auf dieser Grundlage werde entschieden, ob der jeweilige Patient tatsächlich in der Notaufnahme behandelt werden müsse, eher ein Fall für den ärztlichen Notdienst sei oder ein regulärer Arztbesuch während der Praxis-Sprechzeit ausreichend sei.

"Wir wollen damit auch sicherstellen, dass sich die Notaufnahmen wieder auf die Fälle konzentrieren können, für die sie wirklich da sind: Unfälle, lebensbedrohliche Erkrankungen und generell Patienten, die im Rettungswagen gebracht werden", betont die KV-Vorstandsvorsitzende Annette Rommel. Pleßmann verweist darauf, dass die Kooperation auch das Sicherheitskonzept für echte Notfallpatienten verbessere, weil für diese nun wieder mehr Zeit bleibe.

Denn auch in Thüringen wird der Kliniknotdienst zunehmend von Patienten in Anspruch genommen, die eigentlich keine dringlichen Fälle sind. Kamen im Jahr 2013 noch rund 248.000 Patienten in die Notaufnahmen, waren es im vergangenen Jahr mehr als 275.000. Die Zahl der Patienten, die den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxissprechzeiten nutzten, ging im gleichen Zeitraum mit Schwankungen leicht zurück, von etwa 271.600 im Jahr 2013 auf rund 270.000 (2016).

Verhandlungen über Kooperationen

Seit Monaten verhandelt die KV mit mehreren Krankenhausträgern deshalb über Notdienstkooperationen. Vorausgegangen war eine von KV, Krankenkassen und Landeskrankenhausgesellschaft abgeschlossene Muster-Kooperationsvereinbarung.

Das Thüringer Modell geht nach Angaben der KV über die vom Gesetzgeber im Krankenhausstrukturgesetz 2015 geforderte Einrichtung von Portalpraxen hinaus. Schon vor 2015 waren in dem Bundesland die meisten allgemeinärztliche KV-Notdienstsprechstunden außerhalb der Praxiszeiten auf dem Gelände örtlicher Kliniken eingerichtet worden, derzeit sind es 26. Nur in zwei Regionen werden die KV-Notdienstsprechstunden nicht in einem Krankenhaus abgehalten. Damit sei die Forderung nach Portalpraxen eigentlich schon erfüllt, so die KV.

Überdies gibt es einen Fahrdienst für akut Erkrankte, die nicht selbst in die Bereitschaftssprechstunde kommen können, sowie einen fachärztlichen Notdienst (Augen-, Kinder- und HNO-Ärzte). Gemanagt wird dieses System von einer landesweiten Vermittlungszentrale am KV-Sitz in Weimar, die unter der bundesweiten Rufnummer 116.117 erreichbar ist.

Mit der Neuorganisation des ärztlichen Notdienstes an den drei Thüringer DRK-Standorten sind auch die Bereitschaftssprechstunden der Kassenärzte in Sondershausen und Bad Frankenhausen (beide Kyffhäuserkreis) in die Notaufnahme der dortigen Krankenhäuser umgezogen. In Sömmerda wurde eine Notdienst-Sprechstunde in der Klinik-Notaufnahme eingerichtet. Bisher war für den Landkreis Sömmerda die Notdienstzentrale im 30 Kilometer entfernten Erfurt zuständig.

26 Notdienstsprechstunden werden aktuell in Thüringen außerhalb der Praxiszeiten auf dem Gelände örtlicher Kliniken angeboten – damit sieht die KV die Forderung nach Portalpraxen erfüllt.

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