Ärzte Zeitung online, 31.07.2018

Baden-Württemberg

Lösungsansätze für bessere Notfallversorgung

Eine Arbeitsgemeinschaft mehrerer Krankenkassen in Baden-Württemberg hat Lösungsansätze für die strukturierte Behandlung von Notfallpatienten erarbeitet. Dies findet bei Praktikern viel Zustimmung.

Von Christoph Barkewitz

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Auch in Baden-Württemberg herrscht Konsens: Erst einmal sichten, wie krank der Patient wirklich ist (Triage), dann die Entscheidung, wo er behandelt werden muss.

© picture alliance / Hauke-Christi

STUTTGART. Ob im Sachverständigen-Gutachten oder im Entwurf für ein Versorgungsgesetz aus dem Bundesgesundheitsministerium: Die Notfallversorgung steht bei allen Vorschlägen aus Wissenschaft und Politik der vergangenen Wochen weit vorne.

Aus gutem Grund, wie sich bei der jüngsten Diskussionsveranstaltung "Quo vadis Notfallversorgung – Baden-Württemberg setzt Akzente" in Stuttgart zeigte.

Ambulant gut behandelbare Patienten nähmen zu oft den Rettungsdienst und die Kliniken in Anspruch und blockierten mit vergleichsweise harmlosen Beschwerden spezialisierte Behandlungskapazitäten, so das Urteil der einladenden Arbeitsgemeinschaft B 52-Verbändekooperation Baden-Württemberg.

In der Folge sei das Personal wegen der fehlenden Strukturierung oft überlastet, die Wartezeiten für Patienten lang.

Sechs Positionen stellt die Arbeitsgemeinschaft, der der BKK Landesverband Süd, die IKK classic, der Verband der Ersatzkassen Baden-Württemberg und die Knappschaft angehören, deshalb auf:

»Notfallversorgung durch zentrale Anlaufstellen besser koordinieren und vernetzen,

»Triage mit einheitlichen Standards verbindlich festlegen,

»Leistungen an nichtärztliche Fachberufe delegieren und Notfallsanitäter stärken,

»Technische Innovationen nutzen,

»Qualitätssicherung steigern und

»Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung ausbauen.

Bundesweit einmalige Sammlung von Notfalldaten

Vor allem in der "Qualitätssicherung" sieht sich das Bundesland vorn. Deutschlandweit einmalig gebe es im Südwesten die Stelle für trägerübergreifende Qualitätssicherung im Rettungsdienst (SQR BW), berichtete Professor Hermann Schröder, Leiter Rettungsdienst im Landesinnenministerium.

Dabei würden standardmäßig alle Daten aus den Leitstellen, aus der elektronischen Dokumentation der Notärzte sowie seit Neuestem aus der elektronischen Dokumentation der Rettungswagen ausgewertet und verglichen.

Leitstellen, Rettungswachen und Notarztstandorte erhielten dann eine Rückmeldung, wie sie bei bestimmten Qualitätsindikatoren im Vergleich zum restlichen Bundesland abschnitten.

Dass akuter Handlungsbedarf in der Behandlung bei Notfällen besteht, verdeutlichte Dr. Lisa Federle, Leitende Notärztin aus Tübingen: Bei neun Einsätzen in ihrer letzten Schicht habe nur einer tatsächlich eine Notarztindikation gehabt.

Schon Verbesserungen erzielt

Die Arbeit der SQR-BW habe bereits nach kurzer Zeit zu Verbesserungen geführt, so Schröder. Beispielsweise wurden 2016 im Landesschnitt 87,4 Prozent der Patienten mit einem Herzinfarkt in die richtige Klinik transportiert. Im Jahr 2015 lag dieser Wert noch bei 82,5 Prozent.

Schröder sprach angesichts dieser Daten von "Goldstaub", den es zu nutzen gelte. Perspektivisch sei zu überlegen, ob die SQR BW zu einer Stelle für Qualitätssicherung in der gesamten Notfallversorgung ausgebaut und damit auch die Versorgung bei den niedergelassenen Ärzten und in den Krankenhäusern bewertet werden könne.

Auf eine weitere lokale Besonderheit im Bereich der Telemedizin wies Professor Mark Dominik Alscher, Geschäftsführender Ärztlicher Direktor des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart hin.

Das Projekt DocDirekt habe das Potenzial, Patienten abzufangen, die sonst in die Notaufnahme kommen würden.

Dabei können Patienten – sofern sie ihren Hausarzt nicht erreichen – montags bis freitags tagsüber dort anrufen, woraufhin Fachpersonal die Dringlichkeit klärt und sie gegebenenfalls einen Rückruf durch einen niedergelassenen Arzt – auch per Video-Telefonie – erhalten.

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