Ärzte Zeitung online, 11.10.2019

Kommentar zum Ländervorstoß

Retten ohne Strafgesetzbuch

Die Länder wollen mehr Befugnisse für die Notfallsanitäter. Ein Casus belli für die Ärzteschaft? Muss es nicht sein.

Von Denis Nößler

denis.noessler

Schreiben Sie dem Autor: denis.noessler@springer.com

Stellen Sie sich vor, es gibt einen Myokardinfarkt, und Sie als Notarzt stecken im Stau. Das ist leider immer noch Alltag in Deutschland, trotz der Diskussion um Rettungsgassen. Bei präklinischen Notfällen sind nicht-ärztliche Retter in der Regel als Erste vor Ort, allen voran die Notfallsanitäter.

Die dürfen, anders als Ärzte, den Patienten nicht mit invasiven Maßnahmen helfen. Ohne Arzt kein ASS, kein Nitro, kein Morphin. Oder bei einer Hypoglykämie: Glucose i. v. nur vom Arzt! Helfen die Sanitäter dennoch, droht ihnen bis zu ein Jahr Haft, weil sie gegen den Heilkundevorbehalt verstoßen haben.

Helfen sie nicht, können sie wegen unterlassener Hilfeleistung dran sein. Der „rechtfertigende Notstand“ ist für sie oft nur eine Krücke. Wenn es um Leben und Tod geht, darf man von Helfern nicht erwarten, erst den Strafrechtskommentar zu wälzen. Die Bundesländer fordern deswegen nicht ohne gute Gründe, den Notfallsanitätern die Ausübung der Heilkunde „im Rahmen ihrer Kompetenz“ zu erlauben.

Für die Ärzteschaft klingt das freilich wie ein Dammbruch: der Einstieg in die Substitution ärztlicher Leistung. So krass muss es aber nicht kommen. Ein kleiner Einschub in der geforderten Gesetzesänderung könnte den Konflikt lösen: „... bis zum Eintreffen des Arztes“.

Lesen Sie dazu auch:
Ländervorstoß: Notfallsanitäter sollen spritzen dürfen

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[12.10.2019, 15:06:24]
Rene Hermanns 
Retten ohne StGB
Es wird gerade in den Medien immer so getan als wenn es was ganz neues ist das heilkundliche Maßnahmen durch Notfallsanitäter durchgeführt werden. Wie viele meiner Kollegen und auch Notärzte bestätigen werden ist es doch mittlerweile Tagesgeschäft. Vielerorts haben ÄlRd schon durch SAA die Vorraussetzungen geschaffen das wir im Notfall im Rahmen unserer Kompetenz Hilfe leisten können. Nur ist das Dilemma dabei halt das wir keine Rechtssicherheit haben. Und das Problem wird ja nun hoffentlich beseitigt. Es geht sich nicht darum Notärzte ersetzen zu wollen. Aber ich kann doch erwarten das ich bei der Durchführung meiner Arbeit so wie man es von mir verlangt vernünftig abgesichert bin. Überall im europäischen Umland leisten Paramedics schon seit Jahrzehnten gute Arbeit, nur hier bei uns wird wieder so getan als wenn dadurch irgendjemand zu schaden kommt. Und ein Studium alleine oder ein Titel bedeutet nichts. Es gibt in jedem Berufsstand gute und schlechte Mitarbeiter. zum Beitrag »

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