Ärzte Zeitung, 13.12.2010

Erleichterte Zustimmung - mehr Organspenden?

Auch in Deutschland fehlen Spenderorgane, manche Experten bezeichnen die Lage gar als prekär. Nun fordern Chirurgen eine "erleichterte Zustimmungslösung". Organe dürften dann entnommen werden, wenn Angehörige dies nicht ausdrücklich ablehnen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Erleichterte Zustimmung - mehr Organspenden?

Immer noch gibt es viel zu wenig Menschen mit Organspende-Ausweis.

© dpa

BERLIN. Angesichts der zunehmend prekären Lage bei der Verfügbarkeit von Transplantaten plädiert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) für eine zumindest testweise Einführung einer Widerspruchslösung und für mehr Spielräume bei der Zuteilung von Organen.

Durch Informationskampagnen alleine sei das Problem der knappen Organe in Deutschland nicht zu lösen, betonte Professor Peter Neuhaus, leitender Transplantationschirurg an der Charité Berlin.

Auch die Einführung von Transplantationsbeauftragten an Krankenhäusern ändere nichts daran, dass es für Angehörige, die einer Transplantation grundsätzlich positiv gegenüberstünden, bei einem Todesfall schwierig sei, aktiv "ja" zu sagen.

Bei einer Veranstaltung der DGCH in Berlin schlug Neuhaus deswegen die Einführung einer Variante der Widerspruchslösung vor, die er "erleichterte Zustimmungslösung" nannte. Dabei werden Angehörige wie bisher gefragt, ob Organe entnommen werden dürfen.

Im Unterschied zu heute wäre eine Entnahme nach diesem Gespräch erlaubt, wenn sie nicht ausdrücklich abgelehnt wird. "Das würde den Umgang mit dieser für alle Beteiligten schwierigen Situation vereinfachen", so Neuhaus.

Der Experte wies auch auf eine ethisch und medizinisch problematische Folge der Organknappheit hin: "Wir beobachten, dass die Erfolgsaussichten der Transplantation sinken, weil derzeit nur noch schwerst kranke Menschen überhaupt ein Organ, speziell Leber und Lunge, bekommen können."

Neuhaus plädierte deswegen dafür, in Deutschland eine Widerspruchslösung oder "vereinfachte Zustimmungslösung" zu testen: "Mit Theoretisieren kommen wir nicht weiter. Warum machen wir nicht in einem Bundesland oder bundesweit für einen begrenzten Zeitraum einen Pilottest, um zu sehen, was der Umstieg bringen würde?"

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