Ärzte Zeitung online, 29.12.2017

Schwule Blutspender in Frankreich

Gericht bestätigt Sexverbot

Zwei Länder, identische Regelungen: Schwule in Frankreich und Deutschland können Blut spenden – wenn sie ein Jahr lang zuvor keinen Sex mit Männern hatten.

PARIS Schwule Männer dürfen in Frankreich weiterhin nur dann Blut spenden, wenn sie in den zwölf Monaten zuvor keinen Sex hatten. Der Staatsrat wies Beschwerden gegen diese Regel am Donnerstag zurück – es handele sich nicht um eine illegale Diskriminierung.

Das oberste Verwaltungsgericht des Landes begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass HIV-Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben, deutlich häufiger vorkämen. Die Gesundheitsbehörden müssten die besten Maßnahmen zum Schutz der Blut-Empfänger ergreifen, wenn ein Risiko auf Grundlage wissenschaftlicher Daten nicht ausgeschlossen werden kann.

Neue Richtlinie der BÄK

Über das Thema wird seit Langem gestritten. Auch in Deutschland hatte die Bundesärztekammer im Sommer eine neue Richtlinie veröffentlicht, wonach Schwule Blut spenden können, wenn sie ein Jahr keinen Sex mit Männern hatten. Zuvor waren homosexuelle Männer komplett von der Blutspende ausgeschlossen.

Basis für die Änderung der Ausschlusskriterien war eine Auswertung aktueller medizinisch-wissenschaftlicher und epidemiologischer Daten, die die Bundesärztekammer gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium und den zuständigen Bundesoberbehörden vorgenommen hatte. Eine Zulassung zur Blutspende nach Beendigung des Risikoverhaltens führe "nicht zu einer Erhöhung des Risikos für die Empfänger von Blut und Blutprodukten", hieß es in einem Hintergrundpapier aus dem Jahr 2016.

Neben Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM) zählen der deutschen Richtlinie zufolge unter anderem transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, Sexarbeiter und heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten zu dem Personenkreis, der durch sein Risikoverhalten zwölf Monate von einer Spende zurückzustellen ist.

Schwulenverbände halten es für falsch, Männer mit gleichgeschlechtlichem Sex pauschal zu einer Risikogruppe zusammenzuschließen. Sie kritisieren etwa, dass nicht berücksichtigt wird, wenn Schwule in einer monogamen Partnerschaft leben.

Kritik von der Aids-Hilfe

Wenn homosexuelle Männer nur Blut spenden könnten, wenn sie ein Jahr keinen Sex hatten, schließe das die meisten von der Spende aus, kritisierte die Deutsche Aids-Hilfe.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transplantationsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) Professor Harald Klüter hingegen äußerte sich im November positiv zur neuen Richtlinie. Es sei nicht um die Diskriminierung Homosexueller gegangen, sondern um die Bewertung von Risikoverhalten, auch bei Heterosexuellen, sagte er. (dpa/eb)

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