Ärzte Zeitung, 28.03.2013
 

Schleswig-Holstein

Gewerkschaft kritisiert Pflegekammer

Betriebs- und Personalräte aus der Pflegebranche sehen die Gründung einer Pflegekammer im Norden skeptisch.

NEUMÜNSTER. Die Pflegekammer als Papiertiger: So sehen es bei Verdi organisierte Betriebs- und Personalräte aus der Pflegebranche in Schleswig-Holstein.

Auf einer Fachtagung der Gewerkschaft in Neumünster verabschiedeten sie eine Resolution, in der sie Kritik an der geplanten Pflegekammer in Schleswig-Holstein üben.

Ablehnend äußerten sich die Gewerkschaftler insbesondere zu einer Pflichtmitgliedschaft der Pflegebeschäftigten "ohne demokratische Rechte".

"Zu all den Problemen keine Lösungskompetenz"

"Wer die Interessen der Pflegebeschäftigten stärken will und dies mit der Aushöhlung der Grundrechte anfängt, hat kein Vertrauen verdient. Eine Zwangskammer ist antimodern und undemokratisch" sagte Steffen Kühhirt, Landesfachbereichsleiter bei Verdi Nord. Er sorgt sich außerdem um die Tarifautonomie der Tarifparteien.

Und: Andere von Pflegeverbänden für eine Kammer angestrebte Themen wie bessere Ausbildungsbedingungen und Personalbemessung seien Sache des Gesetzgebers.

"Eine Pflegekammer hat zu all den Problemen keine Lösungskompetenz. Sie ist ein Papiertiger und politische Schaufensterpolitik", so Kühhirt.

Der Deutsche Pflegerat hatte wie berichtet auf seiner jüngsten Fachtagung in Kiel dagegen Rückendeckung von Sozialpolitikern für die Gründung einer Pflegekammer erhalten. Die Landesregierung favorisierte aber zuvor eine Befragung der Pflegebeschäftigten. (di)

[28.03.2013, 20:12:27]
Jacob Wilde-Freimund 
Keine Lösungskompetenz?
Klar, dass Verdi das so sieht. Noch sind Pflegekräfte im Fachbereich "Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen" in Verdi integriert. Die Gewerkschafter haben nun Angst, dass die Mitglieder weglaufen. Dabei ist eine eigene Pflegekammer für die rund 1,2 Mio Pflegekräfte längst überfällig. Auch Ärzte sind Pflichtmitglieder in ihrer Kammer und kein Mensch spricht davon sie wären "ohne demokratische Rechte". Das gegenteil ist der Fall. Erst mit einer Berufskammer können sich Pflegebeschäftigte endlich souverän um ihre Pflegeprobleme kümmern. Keine leichte Aufgabe. Jeder kennt die Alterspyramide und es wird Zeit, dass das Experten, also nicht irgendwelche berufsfremden Personen, sich darum kümmern.  zum Beitrag »

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